SOMMERABEND IN HAMBURG 
9.9.18, 11:51
Geposted von Kerstin Seidel

SOMMERABEND IN HAMBURG



Der Himmel üppig
über der Stadt und die Menschen
meandern mondwärts umterm
südlichen Blau für Stunden, Tage
seit Wochen schon ist es schön
um mich her hält der Sommer
die Stadt warm und weich und
wolkenlos wie es hier duftet
nach Zuhause, Alster und Abgas
in den U- Bahnschächten wehen
Klänge durch die Gänge
und alle Fäuste bleiben stecken
und alle Messer finden
keine Wunden in den Cafés sitzen
Hanseatinnen in hungrigen Röcken
und schmunzeln ihren Göttern
hinterher ziehen alle zum Elbstrand
zwischen Hafen und Himmel
fließt der Moët in Strömen

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CARPE DIEM 
9.9.18, 11:49
Geposted von Kerstin Seidel

CARPE DIEM



Die Sterne tauchen ab
ihr Licht haben wir
in Energiesparlampen
gefangen, billiger geht's nicht
weiter als bis
zur nächsten Werbepause,
wo der Geiz so geil ist
die Matrix unberechenbar,
aber die Richtung bleibt
klar, du musst weiter, höher
nichts ist unmöglich
aber Alles kannst du
nicht haben, lies die Zeichen
am Nachthimmel
diktiert die NSA lautlos
Nachrichten lauern dir auf
mit erhobenem Zeigefinger
zurück auf Start per Fern-
bedienung läuft so eine Art
Alltag nebenbei im Raum
steht die Zeit still
und wartet auf dich

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SPRACHE 
9.9.18, 11:47
Geposted von Kerstin Seidel

SPRACHE



Da bist du wieder, willkommen
Sprache, du Wortweberin,
wenn ich einsam bin,
du kommst und bleibst
mir treu und sprichst
mich frei schwebst du
durch Wände, überwindest
Mauern zwischen Menschen
kennst du ihre Wundstellen
und wirkst in jeden Winkel
tiefer als alle Taten erfasst du
ihre Träume, wo Tränen in der Sonne
verdampfen, umschwebst du
ihre Herzen und bist mein
verlängerter Arm und
meine Hand, die streicheln will
und ich gehe mit dir
durch Wände und Widersprüche
lösen sich auf im Hauch
deiner Stimme

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SCHLAFLIED 
4.9.18, 12:03
Geposted von Kerstin Seidel

SCHLAFLIED



Der Muttermond ist aufgegangen
hat Krater aus Keks und seine Zitzen
geben Milch rinnt Honig von seinem Gipfel
süßt sein Muttermund deine Sucht
spricht mit deiner Stimme der Mond
singt Muttersprache bleibt ruhig
kühlt dir den Hitzkopf stillt
deine Weißglut und Schlaf wandelt
an Mauergeraden deine Augen
weit aufgerissen sind Negative nackte
Tatsache der Mond -
Mutter, scheint dir eine scharfe Sichel
wiegt dein Wachen im Halbrund die Wunde
- ist aufgegangen
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GESTRANDET 
4.9.18, 12:01
Geposted von Kerstin Seidel

GESTRANDET



Lippen auf Lippen verlagert
zwischen zwei Zungen
Ufer
tief unter der Haut
am Nervenende
Kitzel
feuchte Wiesen
in der Mundhöhle
Süße
tief in der Leibesmitte
Liebe
arterielle Kreuzlinien
Herzschlag
Ein- und Ausgang
Blut
am Ende
Ufer
in deinen Augen
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JUNG 
4.9.18, 11:59
Geposted von Kerstin Seidel

JUNG



Dein Gesang aus Ebenen
oder von Geraden her
nun sind wir bis hierher gekommen
und weiter geht es
wir gehen durch die Städte
fern oft von Traum und Überlieferung
als wenn ich und du kein
Herkunftsland hätten
manchmal scheint Licht in uns auf
und macht uns jung

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ATEMLOS 
4.9.18, 11:58
Geposted von Kerstin Seidel

ATEMLOS



Ich am Ufer Muscheln suchend
höre das Meer rauschen
sehnt mich, sucht dich
in jeder Welle, die das Ufer bricht
ruft es Sterne und Engel herbei
aber du bist fortgespült, tangbedeckt
sandbenetzt,
währenddessen, bin ich hier,
jetzt verschlingt die Flut
meinen Atem

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LETZTE SOMMERTAGE 
23.8.18, 21:07
Geposted von Kerstin Seidel

LETZTE SOMMERTAGE



Der Wind schärft die Umrisse
der Verliebten, die ihre Kleider
ablegen am Ufer des Flusses
suchen Wasservögel Schutz im Ried
und die Blütenblätter baden im Dunkeln bleibt die Zeit stehen
im Rufen der Wildgänse wartet der Herbst auf ein Haus mit Boot
und Steg mit Spinnweben
und silbernen Straßen verborgen
im Tal, wo die Schatten länger werden

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ZUHAUSE 
19.8.18, 12:46
Geposted von Kerstin Seidel
Für Kurt:

ZUHAUSE



Es ist ein Ankommen
nach weiter Reise
irgendwie leise ein Wissen,
das möcht ich nie mehr missen
in meinem Leben ist es das,
was bleibt, was sich reibt
zur Wärme drängt einander
kennt, jede Pore, jede Stelle,
jede Flut aus jeder Welle und
dennoch Ufer ist und Fels und
trotzdem Haut uns gibt und Pelz
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INMITTEN 
19.8.18, 12:31
Geposted von Kerstin Seidel

INMITTEN


Wie wir zwei umkreisen
mit Kreide das Grün der Gärten
dies Paradies ist unser
zuhause inmitten der Stadt
ertastend den Fluss dessen Atem
noch sonnig und süß wie wir
naschen an stiller Fassade
selbst bloß Silhouetten
bebildert mit Freude und Farben
die leuchten hinüber zur Straße
dahinter der Deich, das Dunkel
des Dickichts, das uns tarnt
vor Laternen, denn wir eilen
zu zweit im Schein
uns voraus

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