Fest 
20.6.21, 11:45
Geposted von Kerstin Seidel

Dieses Fest hinterließ Spuren!



Es hörte auf, für einige Stunden
regnete es keine Erde und wir
kauften Brot und Wein
und feierten dieses Fest
unter dem Flieder
des duftetenden Morgens
blühten Worte, lies mir vor
Bruder, mit blassblauen Lippen
lies und spiel uns Schwester
heil mit der Welt, wir wollten nie
und haben doch immer
Wünsche wie Federn gelassen
und lernen auswendig, was
wir vergessen wollten,
es wurde Abend und die Blätter
auf dem Rasen waren
wie Fußspuren an Kreuzungen

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Besichtigung des KZ- Neuengamme 
19.6.21, 09:58
Geposted von Kerstin Seidel

Besichtigung des KZ- Neuengamme
an einem Sonntag



Der sonnige Morgen
bringt die fernen Wiesensäume zu uns,
golden und grün

Der Deichrand
trägt Tau und glitzernde Kristalle
stieben steinwärts

Die Mauern
glühen in gleißendem Licht,
ihre Frucht ist Stille

Vergessen steht
eine Dornenkrone,
der nackte Zaun aus Blut
und Rosen
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Mutmaßlich  
13.6.21, 13:45
Geposted von Kerstin Seidel

Mutmaßlich



Das Maß an Mut ist außen warm
und innen wärmer, es gleicht nur
sich selbst,
es hellt die Mitte und es hellt
den Rand, es bleibt oftmals
unerkannt.

Es liegt in den Fäusten, es lauert
in den Fingern, das Maß an Mut
öffnet Augen und öffnet sie
auch wieder, es singt meist
Heldenlieder.

Das Maß an Mut atmet auch
in eisiger Luft und besteht
aus Fluchtpunkt und Beiläufigkeit,
aus zwei teilen Wahnsinn
und drei teilen Nacht,
es hat schon Manchen
umgebracht

beim Spielen mit Messern
auf Wiesen am Hang,
das Maß an Mut hält an,
hält an !
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Liebe  
7.6.21, 10:03
Geposted von Kerstin Seidel
Für Kurt

Liebe



Ich möchte Dir ein Wort heut
schenken,
es kam und lag mir auf der Seele,
du weißt doch, dass ich auf dich zähle,
so lang wir uns kennen und uns
denken

Vom Rand waren es nur zwei,
drei Schritte bis zur Mitte,
bis zu Dir, mein Liebes,
dabei blieb es,
ich will lieber hier sein,
als nach dem Fernen hetzen, bitte

Versuche nie nur Blut zu sein,
bleib Melodie,
wenn du nichts mehr erhältst von Fremden,
nimm alles dir, aus meinen warmen Händen,
ich bleib, ich bin, ich zweifle nie

Ich bin zu lange aus der Zeit geblieben,
Tage lagen mir tierisch auf dem Gemüt,
du wusstest immer, was uns Schönes blüht,
solang wir uns schützen und uns lieben
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Stille 
5.6.21, 08:55
Geposted von Kerstin Seidel

STILL



Die Sonne scheint wirklich
auch da, wo ich stehe und
die Nacht geht,
wenn ich will kommt sie
zurück mit dem ersten Stern
unter dem Arm,
die Stunden sind unbesetzt,
nimm Platz da, da, da –
Einsamkeit in den Farben
der Nackheit der Dinge,
jetzt erklimmt die Sonne die Hügel,
sie wird zu den Feldern
wieder hinabsteigen,
zu den Tümpeln, zum Gras,
jeder Tümpel ein Tor
durch das der Himmel
das Stoppelfeld aufsucht,
blessierte Bäume, wunde Wege,
der verletzte Verstand,
ich bin mit dem Hier verschworen,
einverstanden mit der Stille
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Utopiia 
31.5.21, 15:13
Geposted von Kerstin Seidel

Utopia



In einem Land,
von Übermorgen,
in welchem Milch und Honig
fließen,
wird Macht aus Ohnmacht
und Glück aus Unglück
sprießen.
Unserer Vielfalt
wird eure Einfalt,
keinen Einhalt
mehr gebieten, werden
in eurem Rückschritt,
unseren Fortschritt sicher
üben,
werden die Macht ächten,
und jeden achten,
und euren Kleinmut
mit unserer Großherzigkeit
schlachten.
In einem Land von Übermorgen,
in welchem Liebe über Lüge
liegt, wie weiches Moos
überm Stein,
werden wir, nicht ihr,
Zuhause sein.
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GELB 
30.5.21, 08:11
Geposted von Kerstin Seidel

GELB



Wie Sektperlen sprudelnd,
diese angeprickelte Luft,
in den Abend gespritzt dein
Lachen leicht und munter
legen Schwalben ihre Federn an
und Mücken bitten
zum Tanz in den Mai
das Glühen der Rapsfelder
frühsommerlich gelb
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Trost  
27.5.21, 11:04
Geposted von Kerstin Seidel

Trost



Es regnet schmale Schnüre
senkrecht ohne Unterlass
gleichmäßige Sammlung
von Wassermolekülen in
Pfützen, Bächen, Seen auf
Händen, Haaren, Haut wie
selbstverständlich säuberlich
sprühende Tropfen, schräg,
spritzig und unberechenbar
aber stetig, rund, genormt, direkt
vom Himmel ohne Säuregehalt,
ohne Abstand, ohne Absicht
treffen sie dich selbst
unter dem Schirm
unter dem du stehst
und dich erinnerst
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Glück  
23.5.21, 10:39
Geposted von Kerstin Seidel

GLÜCK



Staunend vor Glück
löst sich Jung und Alt
aus seiner Hülle, verrückt
die Grenze zwischen Blatt
zu Blatt, zwischen Blick zu
Blick hab ich dich gesehen wir
sehen zu uns strömende Wellen
und Wirbel das Neue
schiebt sich in die Welt -
Zukunft mit offenen Augen
und tönendem Mund flügelnde
Herzen werfen mit Mut, mit
Freude umarmen sich Menschen
in den Straßenschluchten und
Singen den Sommer wild und
erdbeereeiche Erde
dieses zum Guten gewendete Land atmet aus
seiner Schale sprießen Arme
körpern sich mit verbundenen
Augen hab ich dich gesehen
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Vakuum  
22.5.21, 13:11
Geposted von Kerstin Seidel

VAKUUM



Am oberen Bildrand brechen
Zweige in die Leinwand ihre
braunen Finger pflücken
zu frühe Knospen
von den vernebelten Horizonten
klingt der Donner
wie eine Nachricht
über das Ausschwärmen der Bienen
und ihre Suche nach Nektar,
summender Singsang
des Sommers eingebunden
in Wolken weltfremden Dufts
nach Wüstenoasen und
Mangrovenwäldern,
sehnsüchtig hält die Stadt
Abstand zur Lichtung,
aus den Zapfen der Fichten
springen sinnlos die Samen
zum Teil unschuldig,
als wäre die Zukunft der Welt
verschoben auf unbestimmte Zeit
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