Hoffnung  
28.3.21, 11:13
Geposted von Kerstin Seidel

HOFFNUNG



Der Gang im gefrorenen Gras
zum Schuppen hinter dem Haus
liegt Holz zerhackt wird nie wieder
Buche, aber ich lese an Zweigen
das Knospenalphabet,
das Laub lese ich zusammen
mit einer Hand halte ich Erde,
meine Haut streichelt Wärme
und die Sonne setzt grüne Punkte
unter dem Laub liegt Hoffnung
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Mein Land  
21.3.21, 08:40
Geposted von Kerstin Seidel

Dies ist mein Land

,

meine Erde,
die mich mit Schlaf bedeckt
mit schwerer Scholle und
schimmerndem Grün, der Lärm
der Stadt, in der ich erwache
findet kein Ende und bittet
um Nachsicht, die Sirenen der
Notarztwagen negieren die Stille
auf leeren Straßen bellen Hunde
den Tag an, dies ist mein leeres Land,
das mich Abends bekniet und
Morgens bebellt, ein Land,
von dem man sagt,
daß alles hier aufhört und
alles anfängt auf weißer Wand
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Signale  
28.2.21, 08:37
Geposted von Kerstin Seidel

SIGNALE



von Sternkollisionen
betreten die Stille
Achtuhr
Nachrichten sitzen nun im Ohr
die vorgerückte Zeit im Raum
steht still und die Antenne
siebt Schweigen aus Stimmen,
in der Küche tickt die Uhr,
weggerückt der Stuhl, das Wort
endet mit dem Satz, es raschelt
Falten in die Decke, ein Knistern
auf dem Tisch steht die Tasse,
im Moment kein Empfang
aus dem Radio ein Knistern ,
das Hirn siebt Töne aus dem Rauschen,
die Stimme atmet Worte
über die Leitung tritt
Spannung in den Raum,
bis wohin steigt die Zahl,
bis wohin dürfen wir fliehen
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Zeit haben  
27.2.21, 09:56
Geposted von Kerstin Seidel

Zeit haben



für das Rotkehlchen auf dem Ast
das mir Komplimente macht
über die Farbe der Stühle und
auf dem Tisch das Glas spiegelt
die Sonne im Zenit der Zeit
steht die Stille senkrecht im Rahmen
das Bild meiner Mutter so schön
als sie noch lebte die Zeit geben
dem Tag, dieser Stunde im Bad
vor dem Spiegel stehen und staunen
über das Begreifen der Grenze
zwischen dem Jetzt und mir bleibt
so viel Zeit mit der Rose zu reden,
woher und wohin dann,
die Blätter des Abrisskalenders
kürzen das Unendliche, blättern
auseinander, um mich ein- und
auszulassen, um zu lernen Zeit
zu haben ist es nie zu spät

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Freiheit  
15.2.21, 09:30
Geposted von Kerstin Seidel

FREIHEIT



Wir gehen in der Sonne
zu Hunderten
jeder von uns eine
halboffene Tür
die in einen Frei-
raum für uns alle
führt unter uns
der unendliche Boden
das Wasser leuchtet
unter den Birken
der See ist mein
Fenster zur Erde
die Angst unterbricht
ihren Lauf das Licht
sagt, daß es
die Freiheit gibt
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Am Abend  
30.1.21, 09:31
Geposted von Kerstin Seidel

Am Abend



kommen die Dinge nah
das blätternde Blau des Himmels
mondhell verfließen Sterne
wir fangen das Licht in Fenstern
dahinter leben die Farben im Zimmer
der bunte Blick von Blumen über
den Tisch führen Worte zu dir
im Dämmerlicht stehen die Stühle
still sitzen die Schatten im Dunkel
fällt die Zeit in Zwischenräume
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LINEAR 
23.1.21, 11:46
Geposted von Kerstin Seidel

LINEAR



Das Anlegen von Leidschutzmasken
rettet uns das Lächeln lautlos
sterben doppelte Dramen in den
Schlagadern pocht das Phlegma,
Partikel, die bei jedem Atemzug
die Sinne betäuben nur das Geld-
geschäft bleibt unangetastet
auf Bildschirmen sehen wir uns
bewusstlos im Dunkel bunt
gerändert und geöffnet das Lebenslachlabor,
wenn die Experten auftreten
am unvermeidlichen Ende der Dinge
bleibt dieser Versuch,
den Punkt zu verlängern
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Schnee  
2.1.21, 10:44
Geposted von Kerstin Seidel

SCHNEE



Die Leute schippen Schnee
weiße Gedanken flocken waldwärts,
auf Laternen brüten Blechvögel,
im Park blitzen Abschiedsbriefe,
Papierschnipsel, alles in weiß
die Hügel hüfthoch im Pulver,
Mehlpudrige, weiche Wolken,
der Himmel bestäubt
den Asphalt mit Kristallisieren,
die Krone der Schneekönigin glitzert
kalt und schön blühen Eisblumen
gegen den Frost
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Weg 
25.11.20, 19:22
Geposted von Kerstin Seidel

Dies ist der Weg



Lass uns zueinander sprechen
in einer vertrauten Tonart
mit dieser Stimme wie

Engel, Mann, Frau gehen
in den Spuren dazwischen
ist kein Schritt mehr möglich,
ohne die Welt zu verstehen

sag mir, wann kommen die Vögel
wieder, wann fällt Schnee
in die Nacht, wer baut mir
ein Strandbett aus
Moder und Muscheln?

Dort lag ich allein, aus Kanten
und Scherben fügte ich Fallen
als der Tag mich verließ, schwieg
ich und begrub Bienen
mit stumpfem Stachel im Sand
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Luftballons  
22.11.20, 19:06
Geposted von Kerstin Seidel

Die Luftballons


am Brunnen im Park
fühlen federleichte Höhe,
rot, blaue Flattertiere,
vogelleicht, frei, wirbeln
wie Wolken auf Baumhöhe
bleiben harmlos hängen
an kleinen Zweigen knospen
Blütenperlen schillernde
Scherben liegen auf Wegen
wirbelt Sand auf, stochern
Obdachlose in dunkle Löcher,
schlafen unter Steinen,
schwimmen in Pfützen, im Park
tanzen Nachtschwärmer
im Mondschein schimmern
Schwebetiere clean und clever
die Frau mit Koffer packt
schlechte Nachrichten aus
kleinen, müden Augen lächeln
Träumer in bunten Bildern
hängen Luftballons an Händen
im Park neben dem Brunnen
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