FUND 
24.7.22, 17:04
Geposted von Kerstin Seidel

FUND



Ich habe einen Stein gefunden
klein und glatt wie ich,
wenn er nass ist
glitzert er in meiner Jackentasche
ist ein Loch, später gehe ich barfuß
meine Schuhe sind aus Stacheldraht
sie schleichen um mich und ich um sie,
ich kann nicht gehen,
ich schwimme über den See am Ufer
fand ich einen Stein, der war ganz
so wie ich klein, glatt und
still wie das Bild einer meiner Schatten
setzte sich zu mir und wir lauschten
dem Geräusch dieser Wolken
die, soweit ich sehen konnte
Schilder trugen auf denen
stand der Name der Sterne ihr Blick
machte mich unsterblich
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10.7.22, 08:08
Geposted von Kerstin Seidel

SOMMERTAGE



Auf den Ligustersträuchern,
zwei quirlige Spatzen,
zwitschernde Zaungäste
wie flatternde Blätter im Wind
auf den Straßen,
kurze Jeans, oder geblümte
Kleider dünn wie Spinnweben,
perlweiße Riemchensandalen
an braungebrannten Schneefüßen,
und kirschrote Zehen scharf
gebündelt ein Strahl aus der Sonne,
Himmelsleiter durch weite Fenster
strömt Hitze, Goldluft,
in schattigen Nuancen berühren
sich Leiber eine Weile wird Glut sein,
doch kein Himmel bleibt ewig blau
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Dichtung  
3.7.22, 17:24
Geposted von Kerstin Seidel

DICHTUNG



Schreib, Lieder auf die Echoten,
das Stimmengewirr, das Wüsten durchschrie,
du musst die Wurzeln
halten der klinischweißen Melancholie

Und der Birkentrauer,
die sich neigt jedem leergeküssten Mund,
dass aller Schmerz sich zeigt,
ist dein lebenswesentlicher Daseinsgrund

Dein Klang sei: Sumsenlärme,
darin die Bienen den Sommer hüten,
dein Vers gib auch , den in der Wärme
sich breitenden Blüten

Oder der Nacht, in der sich Herbstwehe zeigen,
in welcher der Tag in die Stille floh,
wenn die Buchenblätter fallen,
Nebel steigen,
dies Farbenspiel- du Rose aus Jericho
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2.7.22, 11:23
Geposted von Kerstin Seidel

HITZE



Wir wärmen uns in Gedanken
bewohnen den Sommer in der verlassenen Stadt vor den Glascontainern sammeln sich
grüne Schatten und Orangenschalen

Wir sind alle traurig mitten am Tag
steht die Zeit kopf und halsbrecherisch als ob jemand
hinter uns herläuft müde sind wir
wie zerbrochen mit dem Duft kalten
Rauches unter der Haut

Bis spät in die Nacht sitzen wir in der Kneipe und trinken uns wund
und suchen die Ordnung der Dinge
für jede Wunde ein Wort, für jeden
Versuch ein neues Glas zu viel
Angst uns in das Leben zu stürzen

Wir atmen Asphalt und in Hitze
sprechen wir von der Liebe
später trotzdem noch über Gott er lacht uns aus vielleicht
ein Signal uns ernst zu nehmen
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SOMMERMORGEN  
23.6.22, 06:18
Geposted von Kerstin Seidel

SOMMERMORGEN



Im Ausatmen den Himmel beatmen
mit herzentflammendem Rot,
ein paar Schritte zwischen Haus und Haus,
bevor die Sonne in die Straße fällt
öffne ich die Tür dem milchigen Morgen
malt mir Schatten
unter dem Blätterdach
brütet die Hitze den Tag aus
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18.6.22, 09:06
Geposted von Kerstin Seidel

STERN



Du fällst in mein Zimmer,
Sternschnuppenschwarm,
bist weit gereistes Geschenk
es ist der Morgen nicht,
nicht Abend, die Lebenszeit nicht,
es ist das Alles und mehr,
ohne es könnte ich nicht sein,
durchdring mich du,
das, vom Stern fällt,
mich liebt das Denken,
doch nicht, weil das Denken
mich liebt, bin ich
mein Leben lieb ich und
weil ich es liebe, leb ich, aber
weil es ein Mehr gibt als
meine Liebe zum Leben
flüstere ich:
Sternschnuppentag, jetziger,
meiner!
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12.6.22, 09:27
Geposted von Kerstin Seidel

MUT



So wie die Bäume grüner werden,
aber auch größer,
als wäre der Tag Stück um Stück
ins Licht gewachsen,
etwas, worum die Sonne uns
nicht bittet.

Bedeutendes bannt blinde Flecken,
und aus neuen Worten
werden Lieder, die jemand singt
für dich und gegen das Schweigen.

Das Meer spült uns
an die Ufer des Lichts, etwas
was uns fehlte, wie Fische
atmen wir Wasser und
befragen die Wellen
nach Strand und Stille.

Was könnte man sagen,
zu dem Staub auf der Seele,
das mit dem Schweigen,
müssen wir lernen wie
man den Regen lernt,
in dessen Tropfen
sich das Licht bricht
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7.6.22, 08:55
Geposted von Kerstin Seidel

STILLSTAND



Wenn man sich
unter den Himmel stellt,
werden die Gedanken schwerelos,
gehen die Gefühle ins Blau
ziehen die Wolken,
leuchtende Wanderer
in weichweißem Licht,
hinter dem Horizont steht
die Zeit im Zenit
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6.6.22, 09:10
Geposted von Kerstin Seidel

VERSTUMMT



Ich hämmerte eine Holzhaut,
was war Abgrund, was war Brücke?
Ich hängte meine Augen an dich,
riß meine Flügel aus der Brust
und atmete mich mundtot,
in hohler Gier aß ich ein Tier
und weinte
und konnte kein Stück unterscheiden
was Nacht ist oder Tag
und ließ Sterne durch mich ziehen
bis mein Himmel leer war ich
fragte mein Herz wohin es wollte
immer nur still stehen
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6.6.22, 08:33
Geposted von Kerstin Seidel

ZUKUNFT



Das Neue ist noch nicht
wie soll ich seine Zeit beklingen
die Zweifel mutig niederringen
das Heute gibt kein Licht

hält kalt mir Stroh und Steine hin,
knie nieder und bau dein Leben,
sei still bereit es aufzuheben
und klar zu sagen, ja, ich bin!
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