18.6.22, 09:06
Geposted von Kerstin Seidel

STERN



Du fällst in mein Zimmer,
Sternschnuppenschwarm,
bist weit gereistes Geschenk
es ist der Morgen nicht,
nicht Abend, die Lebenszeit nicht,
es ist das Alles und mehr,
ohne es könnte ich nicht sein,
durchdring mich du,
das, vom Stern fällt,
mich liebt das Denken,
doch nicht, weil das Denken
mich liebt, bin ich
mein Leben lieb ich und
weil ich es liebe, leb ich, aber
weil es ein Mehr gibt als
meine Liebe zum Leben
flüstere ich:
Sternschnuppentag, jetziger,
meiner!
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12.6.22, 09:27
Geposted von Kerstin Seidel

MUT



So wie die Bäume grüner werden,
aber auch größer,
als wäre der Tag Stück um Stück
ins Licht gewachsen,
etwas, worum die Sonne uns
nicht bittet.

Bedeutendes bannt blinde Flecken,
und aus neuen Worten
werden Lieder, die jemand singt
für dich und gegen das Schweigen.

Das Meer spült uns
an die Ufer des Lichts, etwas
was uns fehlte, wie Fische
atmen wir Wasser und
befragen die Wellen
nach Strand und Stille.

Was könnte man sagen,
zu dem Staub auf der Seele,
das mit dem Schweigen,
müssen wir lernen wie
man den Regen lernt,
in dessen Tropfen
sich das Licht bricht
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7.6.22, 08:55
Geposted von Kerstin Seidel

STILLSTAND



Wenn man sich
unter den Himmel stellt,
werden die Gedanken schwerelos,
gehen die Gefühle ins Blau
ziehen die Wolken,
leuchtende Wanderer
in weichweißem Licht,
hinter dem Horizont steht
die Zeit im Zenit
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6.6.22, 09:10
Geposted von Kerstin Seidel

VERSTUMMT



Ich hämmerte eine Holzhaut,
was war Abgrund, was war Brücke?
Ich hängte meine Augen an dich,
riß meine Flügel aus der Brust
und atmete mich mundtot,
in hohler Gier aß ich ein Tier
und weinte
und konnte kein Stück unterscheiden
was Nacht ist oder Tag
und ließ Sterne durch mich ziehen
bis mein Himmel leer war ich
fragte mein Herz wohin es wollte
immer nur still stehen
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6.6.22, 08:33
Geposted von Kerstin Seidel

ZUKUNFT



Das Neue ist noch nicht
wie soll ich seine Zeit beklingen
die Zweifel mutig niederringen
das Heute gibt kein Licht

hält kalt mir Stroh und Steine hin,
knie nieder und bau dein Leben,
sei still bereit es aufzuheben
und klar zu sagen, ja, ich bin!
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Auch Morgens 
4.6.22, 08:27
Geposted von Kerstin Seidel

Auch Morgens



ein Ort, wo Stille
sich in den Tag hebt wenig konstruiert
und ausgerechnet
das frühe Licht wächst
an der Fassade und betritt leise
das Zimmer, aus der Matratze
ranken Rosen zum Frühstück
gibt es Muttersprache, in aller Ruhe
werden die Worte gehäutet und
bis auf die Knochen blamiert,
Vorsicht, in jeder Silbe sitzt ein Fänger,
in Kisten nisten Motten -
da, ein Mensch
mit Minimum an Mut,
entschlossen brummt der Motor
den Morgen in die Straßen
und auf den aufgerollten Feldern
nebelt das Licht etwas Zauberhaftes
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28.5.22, 12:37
Geposted von Kerstin Seidel

AM STRAND



Wir gingen zu Zweit
am Strand entlang, Du rauchtest,
ich rief die Sterne und Stille herbei
summende Schwebeteilchen im Ohr
dein Schweigen bewahrte
das Meer vor dem Rauschen in mir
wechselten die Gezeiten sanft
schnuppige Sterne im freien Fall
aus heiterem Himmel
blicktest Du tangbedeckt
aus dem Nass, ich
am Ufer die Muscheln
tanzten Wellenwalzer
währenddessen
küssten unsere Körper
mit Libellenlippen
den schäumenden Sand
sehnte also mich,
fragte nach Dir mein Mund
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7.5.22, 10:58
Geposted von Kerstin Seidel

SONNTAG



Je schwieriger die Dinge
desto einfacher zu erklären -
wer sie erlebt hat schläft ruhiger,
Hoffnung formiert sich zu
einer Menschenkette,
im Herzen ist Frühling,
den Brustkorb füllt Frieden,
gesammeltes Blut, mein
Schmerz befindet sich gerade
außerhalb die Sonne:
ein Fixpunkt in diesem Himmel –
Kodiert mit dem Anfang
aller Tage auf Erden,
die ultimative Herrin des
Lebens
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16.4.22, 20:38
Geposted von Kerstin Seidel

TRÄUME



Die Weisen der Welt
leben bei YouTube und
sprechen in Untertiteln,
Gedanken kreisen ordentlich
gefaltet wie Papierflieger
ziehen die Luft enger
um meine Schultern und
du suchst nach mir
in deinen kopfkissengroßen Manteltaschen
sammle ich meinen Rest Verstand
Spucke Worte in deine aufgehaltene Hand,
tausend ausgehöhlte Blüten
aus denen tropft Farbe
die Hand fährt darüber und
blutet das Blau der traurigen Buchstaben,
im Brustkorb Daunen
die Beine aus Blech,
ich möchte mich anfassen,
mir was hinstellen, das morgens
und abends goodbye sagt
und Stoff gibt für Träume
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Traumtänzer  
12.4.22, 08:56
Geposted von Kerstin Seidel

TRAUMTÄNZER



Bewimperte, verschalte Linse liegt
fokuslos beschützt vor Verblendung,
ganz weich im Augenweiß so brach
so nach innen gedreht, weggewendet von Welt,
so wimperngeschlagen der Blick
ist filigranverhäutet fast schon
transparent bespannt mit Licht
und weit das Weiß im Traum
ist nichts, das bleibt, keine Grenze,
kein Hartes, das vorgibt Rand zu sein,
hinüber rollt die kleine schwarze Kugel,
Puppillenpunkte
am Ende des Schlafes, ballrundes
Ballett sind wir beinahe Tänzer
im eigenen Traum
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