GESCHLÜPFT 
18.4.17, 07:20
Geposted von Kerstin Seidel

GESCHLÜPFT



Schau, wenn ich atme
dehnen sich alle Fenster
über die Hutschnur driften
alle Daten davon, geboren
im Wind -
konfuses Kerzel, flackernd
im Senflicht, dann
sich summierend
diese Frau wie an Fäden
verstrickt steigt sie aus
ihrem Nest und wächst sich
zum bunten Vogel

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NIMUE 
17.4.17, 09:54
Geposted von Kerstin Seidel

NIMUE



Ich bin der See kalt und still
und dunkel ruh dich aus
in der Tiefe meiner Augen
steht die Nacht im Saum der Sterne
ist mein Kleid gold und schwarz
entblöß ich meine Ufer wartend
warm und weich dich bettend jetzt
sehne ich den Untergang herbei
dich will ich immer
deine Hände und den Bug deiner Stirn
gleiten lassen über meine Wasser hin
in Wellen weißer Lust schaumgekrönt
sind wir uns neu geboren

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FREIBEUTER 
11.4.17, 18:01
Geposted von Kerstin Seidel

FREIBEUTER



Wir zerren die Worte
aus der Deckung und
schicken Sätze
über die Planken
wanken
in den Wellen
schwimmen
gegen den Strom
weit weg
vom Sinngetue
vom Seinsgehabe
einfach so
frei Schnauze

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UNTER DER HUTSCHNUR 
9.4.17, 08:42
Geposted von Kerstin Seidel

Unter der Hutschnur,



hingen ihm
tosende Tastorgane
müde
vom Sammeln der Sorgen, aber
hinter seinen Schläfen schliefen
Schmetterlinge auf Champagnerperlen
und träumten
eine Operetka origineller Oktaven
orange, olive
sich summierende Schichten,
eine Tiara
aus Tönen und Tempera
Farbauftrag der Fernsucht das helle
Knistern der Fläche
und Konturen
die Verstreuung des Lichts
sich aufbäumend in seinem Kopf
die Kunst, die nach sich selbst greift
und trägt

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ORANGE 
8.4.17, 17:35
Geposted von Kerstin Seidel

ORANGE



Aus gelb und rot
macht er kleine Vögel
die auf sein Wort hin
über die Strasse fliegen
seine Hände sind so leicht
dass sie ihre Haut berühren
ohne auch nur einen Abdruck
zu hinterlassen seine Füsse
gehen noch sehr weit über
das dunkelgrüne Wasser ohne
Angst vor dem Schwindel unter ihm
steht die Sonne im Zenit alle
sehen es und als sie starb
rief er sie aus dem Himmel
und auf sein Wort hin kehrte sie zurück
in die Schwerkraft und alle
sehen Vögel kommen die kleinen
frierenden Vögel im blassblauen Morgen
wärmt er heil mit gelb und rot webt er
wundersame Welten

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7.4.17, 17:14
Geposted von Kerstin Seidel

NÖ !


Wenn wieder bodenlose Gedanken kommen -
"Liebe ist was für Idioten!"
bin ich nicht erreichbar den April über
grundsätzlich und immer eigentlich
muss man auch mal Stein sein dürfen
mindestens einmal pro Jahr blind und
streng stoisch stocktaub neben sich stehen
nackt natürlich ist im Treppenhaus immer
Licht an Licht aus spontane Spiritualität
lädt zum Gebet, aber meine Knie sind Kalk-
sandstein, mein Ego ist eben emeritiert so
auf seine Art Sommersprossenmädchen
mit strammem Mittelscheitel macht nicht mit
macht nö- Nachmittag, nö - Nacht und dem Morgen
graut niemand darf mich wegziehen vom
Wegsein selbst ich nicht, selbst du nicht aber
sind wir uns da nicht einig, Freiheit
ist uns doch das höchste Gut

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GEDANKENSPIEL 
7.4.17, 16:20
Geposted von Kerstin Seidel

GEDANKENSPIEL



Nur mal so angenommen
es gäbe dich und mich wirklich
und wir wären voll und ganz
sichtbar strahlend so wie wir
nun einmal sind, ein Weiß,
das sich nicht färben lässt,
wir wären winzige Riesen,
sogar mutiert wären wir noch
wir zeitlos, grenzenlos ferne Musik,
gekrümmte Galaxien im Gegenlicht,
die uns erinnern, dass wir Sterne sind,
nur mal so angenommen,
das wäre erstaunlich.

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MEIN DING 
4.4.17, 19:18
Geposted von Kerstin Seidel

MEIN DING



Verfensterung, lichtauf lichtab ins Lesen gestürzt
minütlich gemütlich seitweiß Satztierchen
aus Wortgebüsch geschüttelt zur Güte
geeinigt ich auch - auf und davon Text geklext
doch der Vers flockt, sprengt mir die Syntax wie
Popcorn von innen explodiert, bum dieser Biss
in infernalisch wildweißen Schaumkuss - Himmel
es hallt offene Worte wie Pulsschlag auf Papier,
Buchtsabenblutbad ich schieße scharf, knall-
hartgefühlte Momente - Rotlach in Realtime,
verpositioniert neben der Spur ich, diese
überflüssige Apposition, affektierte Atome
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Randnotiz 
4.4.17, 19:17
Geposted von Kerstin Seidel

Randnotiz



Da liegen die roten Fäden am Boden
zuhauf lose Enden wie gerissene
Netze von Spinnen befreit
die Eintagsideen darin
auf der Suche nach dem Binde-
strich immer da Herz, Kopf, Teufel
über und über dünne Nähte
geflickte Nähe, Narbenjahre
auf dem Boden bleiben
Fußnoten

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TANZ 
28.3.17, 06:57
Geposted von Kerstin Seidel

TANZ



Und ich kam auf hohen Absätzen, tanze, tanze
sagte das Grau, gleitet hinüber ins Grüne,
rollt sich unter den Bauch der Birken
und der blaue Körper der See war nah
schlief sonnenwarmer Schimmer lag über
den Zweigen des Zinnober flogen Vögel
hin und her ein Weg zum Himmel bricht Blau
ein Raum führt in den nächsten und ich tanze
tanze und Engel reden nicht husch verschwinden sie
in den Nebensaal voll blassblauer Wände
und Vögel vorübergehend und laut flutet plötzlich
Farbe, als verschlinge den Ballsaal das Bunt ein
Verschwimmen ein verwischtes Verlöschen aller
Unterschiede und ich träumte ein klares Nichts,
das Ende des Egos und ich tanzte weiter
unter dem leeren Blick des Mondes bis zum Morgen

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