TANZ 
28.3.17, 06:57
Geposted von Kerstin Seidel

TANZ



Und ich kam auf hohen Absätzen, tanze, tanze
sagte das Grau, gleitet hinüber ins Grüne,
rollt sich unter den Bauch der Birken
und der blaue Körper der See war nah
schlief sonnenwarmer Schimmer lag über
den Zweigen des Zinnober flogen Vögel
hin und her ein Weg zum Himmel bricht Blau
ein Raum führt in den nächsten und ich tanze
tanze und Engel reden nicht husch verschwinden sie
in den Nebensaal voll blassblauer Wände
und Vögel vorübergehend und laut flutet plötzlich
Farbe, als verschlinge den Ballsaal das Bunt ein
Verschwimmen ein verwischtes Verlöschen aller
Unterschiede und ich träumte ein klares Nichts,
das Ende des Egos und ich tanzte weiter
unter dem leeren Blick des Mondes bis zum Morgen

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WELTENDE 
19.3.17, 11:34
Geposted von Kerstin Seidel

WELTENDE



"Was ist ein Augapfel?" und
ich antworte,
"ein Ball aus Tränen und Farbe".
Früher sagte man, sie liebt ihn wie
ihren Augapfel diese Frau
als er ging begann
das Haus einzustürzen,
dann die Stadt, seitdem die Welt

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BEQUEM 
19.3.17, 10:03
Geposted von Kerstin Seidel

BEQUEM



Spätlings erkannt das Blindbringen
von Versprechübungen fingerfertig
gedrechselte Kunststoffträume
sagen das Schlusswort
zum vollen Wahrenkorb passend
schnell nochmal Schaumschlagen
mit sahnesteifen Schleimscherzchen
auf kosten Andersartiger gründlich
Gehirnwaschen föhnen legen endlich
maulgestopfte Gewissensbisse und jetzt
bücklings Glückskeksweisheiten genießen

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WIESO? 
18.3.17, 08:35
Geposted von Kerstin Seidel

WIESO?



Die Sterne tauchen ab
ihr Licht haben wir
in Energiesparlampen
billiger geht's nicht
weiter als bis
zur nächsten Werbepause
wo der Geiz so geil ist
die Matrix unberechenbar
aber die Richtung bleibt
klar wie der Nachthimmel
diktiert die NSA lautlos
Nachrichten lauern uns auf
mit erhobenem Zeigefinger
zurück auf Start per Fern-
bedienung läuft so eine Art
Alltag nebenbei im Raum
steht die Frage

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GEKLÄRT 
18.3.17, 07:36
Geposted von Kerstin Seidel

GEKLÄRT



Ich sitze wieder dort ohne dich
und die Gardine im Sonnenlicht
sendet bizarre Blümchenmuster
zum Fuß der Treppe, ja
ich vermisse dich auch jetzt,
doch endlich darf ich dich
als Gast bewirten, nimm dir
eine Handvoll Blüten, was
fragst du, nein ich habe nichts
von dir behalten, noch nicht mal
deinen Duft, am Fuß der Treppe
bizarre Blümchenmuster, aber
ich sehe klar

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TRAUM 
12.3.17, 12:31
Geposted von Kerstin Seidel

TRAUM



In mir ist oft,
nur Müll der Seele
und Dreck und Schweiß
obwohl der Himmel wieder so
blau oder gerade wegen

diesem heraus geputzten Horizont
diesen Schäfchenwölkchen
die keine Ahnung haben
vom Gewitter
diesem vor Fruchtbarkeit
strotzenden Grün,

und dazwischen meine Schreie
nach Staub und Stein und Stille
aber immer diese Veränderung
zur Vergangenheit diese Fluchten
wie ein Stein, der vom Fliegen träumt

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STILLSTAND 
12.3.17, 07:33
Geposted von Kerstin Seidel

STILLSTAND



Es blieb nichts als zu warten
als Möglichkeit und deine Macht
war es mich warten zu lassen
in der Vorhalle würden die Jahre kommen
und gehen die Stunden verstreichen
nie würden wir wieder gemeinsam gehen
geschützt Arm in Arm unter den Platanen
und viele, die es gerne wollten
können nicht aufhören, aber wir
würden nichts mehr beginnen

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FREMDE 
10.3.17, 18:02
Geposted von Kerstin Seidel

FREMDE



Manches enthüllt
seine Gestalt erst im Moment
des Abschiedes verletztes Fleisch wie
befürchtet das Schlimmste bleibt
und nichts weiter
ist am Ende unentschieden
vom Mund in die Hand gelebt
lies nach, was du mir nicht geglaubt hast,
überzeuge dich von meinem Wort
nur das will ich dich immer noch fragen:

Hast du mich wirklich
nie gekannt?

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Ein Schrei über mir 
10.3.17, 15:39
Geposted von Kerstin Seidel

Ein Schrei über mir,



lange nicht mehr gehört wie weit
oben sie ziehen
nach Süden in Formation
eine Phalanx aus Federn und ich
folge ihren unsichtbaren Wegen
sie markieren Parallelen,
die Gefühle beschränken
auf das Wesentliche
einer mir unbekannten Ordnung,
einer Route zwischen Horizonten,
die ich noch nicht kenne -
ich folge ihrem Blick hinunter
auf Menschen und Felder:
platt getretene Lebewesen
in braun-grünem Teppich,
sie ziehen und ihre Flügel schlagen
Rost von meinem Herzen
schon gehe ich viel leichter

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VERLOREN 
5.3.17, 19:05
Geposted von Kerstin Seidel

VERLOREN



sind die sich
nach Frieden sehnen
und mit sich selbst
im Krieg liegen,
die von Liebe reden
und sich selbst hassen

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