Wolkenmeer! 
23.12.14, 20:05
Geposted von Kerstin Seidel

Wolkenmeer!



Beinahe unbeabsichtigt
suche ich
seine Bissspuren
in meinen Nacken
summte er Nichtigkeiten,
durchdringend bis
in meine Träume
sein Schrei nach Schutz
wie Zwillingssmonde
die im Nebel versinken
liegen unsere Hintern horizontal
zum Sonnenaufgang
herbstliche Fülle
ist sein Körperduft
ein Hauch zu viel Moschus
auf dem Mund
zwischen meinen Schenkeln
zuckersüß
macht sich sein Atem breit
zwischen meinen Brüsten
ein Bekenntnis zum Bleiben
in meinem Blut pulst Gier-
er der Blutsauger
zehrt begehrt Alles,
wer ließ ihn zuerst herein
mein Etwas ist in mir,
ich fühle wie es aufsteigt
nachts als Feuersäule
und tags als Wolkenmeer


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Gefangen! 
22.12.14, 18:45
Geposted von Kerstin Seidel

Gefangen!



Du planst
deinen Ausbruch
aus dem Ich,
raus aus
dem Schutz der Ferne,
weg aus
dem Schatten der Ruinen
und dein Leben
und dein Tod
vermischen sich
mit meinen Alpträumen
und ich weiß nicht
wo du bist
und ich sehe nicht
wie du nicht da bist,
und ich höre nicht,
wie du mich nicht hörst,
und ich bleibe gefangen
in dir
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Klein! 
22.12.14, 16:14
Geposted von Kerstin Seidel

Klein!


Du willst mich
groß,
aber ich bin
ein Zwergin,
die wächst
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Schneewittchen 
22.12.14, 15:59
Geposted von Kerstin Seidel

Schneewittchen,



im Sterbekleid
schön
konserviert unter Glas
schaut her, da liegt sie
glitzernde Prinzessin,
vergiftet
von falschen Versprechungen,
erstickt
am kalten Kuss der Lügen, aber
immer noch rosig ihre Wangen und
ihre blasse Haut und ihr duftendes Dreieck
verführerisch
liegt sie in ihrem Bett aus Kiefernholz,
eine Rose im Glashaus

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Dezembertage! 
19.12.14, 15:59
Geposted von Kerstin Seidel

Dezembertage



etwas unterkühlte Grundstimmung
wen wundert's
es liegt Winter in der Luft
der Himmel versteinert
in Granitgrau minimalistisch
das Licht bleibt gebrochen
im glazialen See
ruht die Stille und das Feuer
unterm Eis glüht Sehnsucht
wenigstens wahrt die Sonne
den Anschein von Wärme

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Armes Kind! 
18.12.14, 18:16
Geposted von Kerstin Seidel

Armes Kind!



Da liegt das Kind
nackt im Stroh
Ochs und Esel
will es nicht
Myrrhe und Weihrauch
stinken so
aber was Anderes
kriegt es nicht

jedes Jahr
dasselbe

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Traurige Engel! 
18.12.14, 18:10
Geposted von Kerstin Seidel

Traurige Engel,



gehen vor mir her
sie breiten Schwingen
schützend ins Leer
halten Hass gefangen
mit steinernem Blick,
können zu uns gelangen
aber niemals zurück,
ihr Los ist Unsterblichkeit,
unter schweren Schwingen,
bergen sie Leid
geben Liebe und Trost,
künden frohe Zeit,
bleiben gerne unerkannt
nur ein trauriger Engel,
er nahm meine Hand,
und flüstert mir zu,
ich liebe die Menschen,
wär' gern sterblich wie du
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Genusszeit! 
18.12.14, 16:45
Geposted von Kerstin Seidel

Genusszeit!



Spätlings erkannt das Blindbringen
von Versprechübungen fingerfertig
gedrechselte Kunststoffträume
sagen das Schlusswort
zum vollen Wahrenkorb passend
schnell nochmal Schaumschlagen
mit sahnesteifen Schleimscherzchen
auf kosten Andersartiger gründlich
Gehirnwaschen föhnen legen endlich
maulgestopfte Gewissensbisse und jetzt
bücklings Glückskeksweisheiten genießen

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Rückschau! 
18.12.14, 16:13
Geposted von Kerstin Seidel

Rückschau!



Ich schaue
und schaue zurück
und finde nur
Schatten der Sterne
ohne Himmel,
zu fremden Häusern
führen Wege,
die ich nicht kenne
und doch gehe ich
in ausgetretenen Schuhen
weiter dorthin
wo ich nicht bleiben werde
ist Hoffnung
auf eine andere Ferne
auf ein anderes Fleisch
eine Frage
eine Antwort
und vielleicht
ein Herz

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Vom Winterwort! 
18.12.14, 16:11
Geposted von Kerstin Seidel

Vom Winterwort!



Im Winter
soll ein Warten sein
von einem
der will, dass ich komme
in sein Haus,
das nur
ein großes Zimmer hat
groß genug
für dieses eine
warme Wort,
das ich
vielleicht dem Leben
sagen will

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