ECHO 
3.8.19, 12:52
Geposted von Kerstin Seidel

ECHO


Des Kornes Duft reift,
streift Rauch vom Feuer,
Versprechen auf Brot und Wärme,
verbrenndes Gehölz diese Glut
trägt Geheimnisse wie ein Freund
in die Nacht sternenvoll, blasig
blähen die Himmel sich bis
hart ans flimmernde Zerplatzen
saugt hungrige Finsternis
an der Erde ruht meine Stirn
und meine Stimme sei ihr Echo

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UNIFORM 
3.8.19, 12:50
Geposted von Kerstin Seidel

UNIFORM



Das sitzt wie
eine zweite Haut,
eine Uniform, gestärkt,
frisch gewaschen und
nachts an den Schrank gehängt
überm Bügel glatt gestrichen leer
die Taschen, tadellos der Schnitt
passt hauteng mit Platz für nichts
drunter außer Knochen fest
um den Hals der Kragen weiß
geschminkt und weggelächelt
das Gesicht

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Über Nacht 
3.8.19, 12:48
Geposted von Kerstin Seidel

Über Nacht



friert das Lachen
der Kinder junge Katzen
ersaufen im Schlaf
vergessen schlingert
die Wäsche auf der Leine
im Sommerwind spielt
Stumpfsinn, Axt, leerer Zwinger
im Zimmer sind alle wach
und wir legen unsere Lippen
auf den Rhabarber flüstern
bleib stehen, blödes Herz

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REISE 
3.8.19, 12:47
Geposted von Kerstin Seidel

Reise



ins Innere des Fotos
Erinnerung, farbige
aus ihrem Innern
leuchtende Scherben,
hautnah, ein kleines Grasstück,
ein Gedächtnis, gebettet auf die Lamellen
der Lichtgeschwindigkeit, netzgrün Schemen-
haft am Sichtfenster
belebt sich die Weite
in helles und dunkleres
es öffnet mir die Augen
wohin
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ATME 
3.8.19, 12:45
Geposted von Kerstin Seidel

ATME



Atme suchend die Sonne
brennt mir ins Fleisch
allein schlucke ich den Schlaf
fresse alles Grün dieser Erde
und atme süchtig den Sommer
verbrennt in mir das Meer
der Einsamkeit ertränkt mich
in trockener Erde und Sand
streut mir in die Augen und
nennt es Wahrheit

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JULIHIMMEL 
3.8.19, 12:44
Geposted von Kerstin Seidel

JULIHIMMEL



Mein Irrtum oder deiner, was soll er
uns? Wir haben einen Schimmer,
Halluzinationen, Horizont, Haufen Stoffs,
zwischen denen sich nachts die Klarheiten ballen,
legen wir Hand an
die Deichsel, im Vertrauen auf Erreichbarkeiten,
die Distanzen in den Augenwinkel gaukeln Gewissheit,
was wir wissen wach bleiben,
nicht haben, kann uns nicht bewegen,
aber wir geben nicht auf, Nähe, hören nicht auf lautlos, entrückt
wie jedes Inferno, das wir kennen, stürzt es
hinter die Hecke, sagen wir und meinen
Gerölle, nie ausgehöhlt von anderem als Wünschen bleibt unser Haus heil

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PUSTEBLUME 
3.8.19, 12:42
Geposted von Kerstin Seidel

PUSTEBLUME



Meine Bilder zerfurcht
wie ein Acker
da liegen Geschichten bereit
er pflanzt sie in uns
als Pusteblumen ins Herz
manche schlägt Wurzel
und trägt Früchte
die pflück ich
für uns
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VERSE 
3.8.19, 12:41
Geposted von Kerstin Seidel

VERSE



Dem Tageslicht einen Weg weisen,
dann den Stuhl zurecht rücken
die Unebenheit des Gedankens
fest in der Hand halten bis
ein Abdruck entsteht, der
vielleicht zu leben beginnt
eh ich vergeh!
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BLIND 
3.8.19, 12:40
Geposted von Kerstin Seidel

BLIND


Kralle mich ins Himmelblau
zerbreche mir die Nägel daran wein
rot tropft es an mir herab
fresse alles Grün dieser Erde und
atme süchtig die Sonne
brennt mir ins Fleisch: allein
schlucke ich das Meer Einsamkeit
ertränkt mich auf trockener Erde
Sand liegt mir in den Augen:
meine Hände ertasten ein Licht
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SOMMERABEND 
3.8.19, 12:38
Geposted von Kerstin Seidel

SOMMERABEND



Die Straße steht
angelweit offen aber ich
steh starr vor der Tür
und verschlinge Vergessenes
links und rechts vom Weg
entscheiden sich
Bienen fürs Fliegen über die Bäume
stellt sich lichterloh der Abend
wenn ich komme
um meine Waben zu füttern
fällt der Regen wieder freundlich

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