Urlaub  
24.7.20, 16:28
Geposted von Kerstin Seidel

URLAUB



Zeit haben
wie Heu,
weiche Wonne,
wohlhummeln
im Hintern haben so
Pause ohne Ende
endlich sein und
diese Mütze nehmen
voll Schlaf und dann
ein Traum-
tag unter mir die Milch-
straßen bummeln
westwärts halleluja
außer Rand und
Band geraten
endlich mal hören
wie die Flöhe husten
hinter‘n Horizont
die Sorgen sinken lassen
ins Uferlose stranden
und die Fatamorgana
mit Pfirsicheis füttern
bis über beide Ohren
glücklich


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HÄUTUNG  
20.7.20, 19:29
Geposted von Kerstin Seidel

HÄUTUNG



Dies ist mein Pelz
inmitten nordischer Spiegel
glitzert meine Südsee
in der Handfläche, schau
wenn ich ausatme
dehnen sich alle Fenster
nach innen trägt das Licht
Schatten wie an Schnüren
vorbei an einer leeren Wohnung
voller Staubschichten bin ich
ein vehementes Wedeln
über Stuhl- und Tischwolken
Finger gespreizt gemacht aus
Gebet und verlorenem Kind
mit symmetrischen Gesichtszügen
zieht das Lächeln gegen das Rau
der Steine in der Angst des
Windes, such mich nicht
nachts liege ich halbwach und
lege meine Sicht auf die Stunden
zerbrechlich zwischen mich und
den dämmernden Tag setz ich
den Traum und nehme Maß
ohne Abdruck auf dem Körper
zu hinterlassen gebe ich mir
eine zweite Haut


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Regen  
20.7.20, 06:03
Geposted von Kerstin Seidel

REGEN



Der Regen strömt
in das Bild
hinein fließt Licht,
meine Augen tropfen
an der Leinwand herab
über den Dächern
graut der Himmel,
Du hältst mir die Augen
offen liegen meine Blicke
auf dem Weg, um aufgehoben
zu werden trägst Du Träume
zum Glück wird es schon heller
bleibt mein Lächeln
in deinen Farben hängen
am Rand des Windes reichen
mir Wolken die Hände
als seien es Flügel


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Abendsonne  
17.7.20, 21:14
Geposted von Kerstin Seidel

ABENDSONNE



In die Rindenhaut der Bäume
ritzen schwarze Diamanten
Angst starrt die Luft gefroren
über den Farbtrieben der Fenster
funkelt Schnee in die abgedunkelte
Seele der Stadt spiegelt das Ufer
Bilder aus verschwommenen Stunden
hinter der Tür warten die Augen
zu lange sinken Schatten,
um die Sonne unberührt zu lassen


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TRAUM  
10.7.20, 17:32
Geposted von Kerstin Seidel

TRAUM



In mir wächst eine Blume
die mit Bienen spricht an Sonnentagen
verwandle ich Kürbisse zu Kutschen,
lausche wie Pfirsiche Komplotte schmieden blicke ich in Pfützen,
wo Schatten sich zu Schwarz verdicken begegnen mir Zwiebeln
mit Tränen in den Augen geschält
Haut um Haut werde ich zum Chamäleon, das rollt sich im Schnee
hin und her unerkannt baut der Butzemann ein Bett unter Bäumen lächelt mein Haus


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Sommer  
5.7.20, 09:49
Geposted von Kerstin Seidel

SOMMER



Sommer, du ewiger Feiertag
leg deine Lippen auf Farn
und Fleisch der Tomaten
flüstern Ketchupküsse komm
bleib stehen und hüpf, hüpf
Herz die Füllung muss frisch
Schampus statt Scham bitte mal
lächeln und leben und lieben und
Halt finden in einem Moment perlt
von den Fingerspitzen direkt
Übermut ins Gras auch schon alles
grün und gold im Sommer schlägt
mein Herz ruhig und regelmäßig Applaus


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SOMMERABEND AM DEICH  
26.6.20, 19:56
Geposted von Kerstin Seidel

SOMMERABEND AM DEICH



Das Rauschen der Blätter
löscht das Flirren über dem Fluss
liegt die Hitze und schläft rot
im Licht das Dach der Feldsteinkirche
lebt und breitet Frieden über das Land
unter dem Himmel blaut Sommer
im Kleid rückenfrei tanzt die Sonne
sucht das Haus, wärmt die Mauern
im Halbschatten träumen Bäume
grün glitzert die Luft im Gegenlicht
steht die Silhouette der Stadt still
senkt sich der Himmel herab


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NACHTGESANG 
26.6.20, 08:12
Geposted von Kerstin Seidel

NACHTGESANG



Auf hohen Absätzen tastende Augen, am Feldrand
der rauhen Stimmen ruhende Gestalten im Stein
steigen sie des Nachts aus der Erde empor,
jahrmillionen der Welt im Wandel
blass blendet der Mond im Nebel,
und der Nebel flüstert im Feld
und der Wind rauscht die Ähren
berauschen das Herz uns
weit hinaus und die Wiesen singen
vom Sommer, von spielenden Kindern
mit Bällen und Springseilen
und es singen die Vögel im Garten
von den Wolken am Himmel,
von den Sternen,
die leuchten im Dunkel


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IM GRAS 
25.6.20, 22:04
Geposted von Kerstin Seidel

Im Gras



nacktfüßig gehen über Steine
scharfkantiger Schotter nackt
Füße bar im Gras gehen stehen
im Halmmeer auf Flockenwirbeln
fliegen auf Kleeteppichen barfuß
über Disteln und Nesseln gehen
kleine Glockenblumentupfer blau
im Grünwuchs stehen barfuß
stehen gehen über zitternde Rauten
roh wie Rost der Bärenklau nackt
gehen zu Fuß über Zittergras und
Rispen und Spuren hinterlassen

im Gras


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SONNE  
25.6.20, 08:50
Geposted von Kerstin Seidel

Sonne



über dem kleinen Haus, wo
Schatten lange still stehen bis
hohe Mittagsstunden das Dach
rot malen plötzlich steil aufsteigend
Sonne,
wie Blütenblätter flirrfedriger Nektar
bitten Bienen zum Tanz,
tragen stolz Hosen aus Goldstaub,
Sonne,
im Hof fliest Stille den Stein
wärmt duftende Wiese blau platzt
der Himmel in wolkenlos


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