Bizarr 
8.4.20, 11:37
Geposted von Kerstin Seidel

BIZARR



Krankenhausangst
als Kind in kathedralen Fluren
zurückgelassen in multiplen Mutationen
artifiziell genormte Gene gerinnen zu Gift
metallisch alles zersetzt zu schlechtem Plasma
eines Plastiktütentraums virtuell
fortgepflanzt, der nicht erwacht
von Zukunft und Vergangenheit intubiert,
in kränklichen Himmelüberflutungen von Gelb,
mit hyperkinetischer Selbstzurücknahme
am bösen Ende der Imitation, im Atembehalten,
in einer unterseeischen Unwirklichwelt
schwimmend, die Ausschüttung
in Wellen, in atmosphärischen
Schlieren, schwebend, sehr hoch
die Sterne strahlen noch

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Hoffnung 
8.4.20, 11:34
Geposted von Kerstin Seidel

Die Hoffnung setzen



in weiche Erde tief
die Angst streichen
in der Farbe
reifer Aprikosen
gegen das Aufblühen
des Grams,
ihm beizukommen suchen
mit dem Keimen
bestätiger Träume
auf einem Weg
über holprige Steine,
die sich sträuben
gegen geordnete
Schritte mögen Füße andrer
leichthin reden und reden
maßgeschneiderte Muster
ins geschliffene Parkett,
ein Tanz aus der Reihe jetzt du
Figuren formen aus Lehm
mit lachenden Mund singen
vorm Morgen mit aufgeschlagenen
Knien endlich den Zufluchtsort erreichen:
HEIMAT
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Lüneburg trotzt Corona 
8.4.20, 11:32
Geposted von Kerstin Seidel

LÜNEBURG



Gassen gepflastert
und gekrümmt, ein kleiner Hof pro Haus in jeden Schattenumriss
packen Kirchenglocken ab und zu Echos gießen üppige Oktaven hinaus,
ab und zu schaut eine Elster vorbei
und stiehlt Stacheldraht aus den Türmen tropft Tageslicht in die Gassen sogar im Treppenaufgang der St. Nicolai nächtigen Obdachlose
hören hektische tiefe Wolken nicht auf,
uneinhaltbaren Terminen nachzujagen laut lamentiert eine Sirene hetzt
ein Rettungswagen im Zickzack vorbei
und versucht, Ränder zusammenzunähen, die wahrscheinlich nicht halten was Heute
versprochen wurde hat die Ilmenau
immer gehalten ihre Ufer sind sonnenhungrig grün noch ist es nicht
Sommer im Sandkasten spielt kein
Kind stumm die Stadt schläft mittags
in’s Mittelalter zurück gekehrt die Welt
wartet auf das Wunder
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FREUDE 
29.2.20, 13:18
Geposted von Kerstin Seidel

FREUDE



Die Sonne
wärmt meine nackte Seele
glückliche Gedanken
streicheln mein Herz
küsst ein Lächeln
in diesen Tag und
erfüllt mich
mit purer Freude

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ERFÜLLT 
29.2.20, 13:15
Geposted von Kerstin Seidel

ERFÜLLT



Gute Frauen, heilen andere,
böse Frauen verletzen sich selbst,
sie passte da nicht rein,
in keine Schublade,
sie tanzte auf leiser Sohle
wie ein Staubkorn im Scheinwerfer
und dann ihr Augenaufschlag
durchdringend wirft sie
eine handvoll Blicke in den Raum,
ihre Hände umringt von Silber
und ihr Kleid, ein mit Licht
sich füllendes Gewebe
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ZIMMERTEMPERATUR 
29.2.20, 13:12
Geposted von Kerstin Seidel

ZIMMERTEMPERATUR



Zeigefingerzenit
am Himmel aufgeflogen
die Sonne im Wir
bettbezogen hinter dem Fenster
frischbezogen
das Grün
Von nahfern
ziehen Windpeitschen
akustische Striemen
durch den Nachmittag
Daliegen
an einen Nesthalm nur geklammert,
wir die größte Ambition nichts
werden wollen
Das Zimmer paßt in ein Setzkastenfach,
im Sand der Sanduhr
ein Sturm gegen die Zeit
steht still
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MASSAKER 
29.2.20, 11:58
Geposted von Kerstin Seidel
Hanau!

MASSAKER



Gedanken vergiftet
hinter Masken das
Mitleid abgelegt
Masse verachtend sich selbst
Hass im Spiegel schwarz
sehen Träume totreden
Parolen schlachten die Wahrheit
Worte würgen die Würde
des Menschen stirbt in der Stille
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BLAUE BALLONS 
29.2.20, 11:56
Geposted von Kerstin Seidel

BLAUE BALLONS



Nachts rücken die Dächer
näher zusammen werden zahm
hier, wo die blauen Ballons aufsteigen
wie Seifenblasen ist mein Acker
unter dem Grün mein Feld,
wo ich Licht und Leicht-
sinn anbaue hier ernte ich
Lachen das kitzelt wie ein Schwarm
Schmetterlinge im Bauch flattern
in lauer Luft, ein Gefühl so frisch
wie Milch so alt wie Lehm
anschmiegsam von innen betrachtet
mich der Wind wispert blau
die Ballons, sie gehören zu dir

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TROST 
10.1.20, 11:26
Geposted von Kerstin Seidel

TROST



Wenn er hört
wie sie den Regen ruft
wie sie seinen Namen ruft
und er hört auf das Wasser
auf die Tropfen zwischen ihnen
erleuchtet von den Blitzen
der schleichenden Wolken
glänzen sie
strahlen sie
und blinde Kinder
kommen ihnen entgegen
in den Augen
feuchte Dankbarkeit
wie der Prinz
weint überm Fluß
der in ihm fließt
die Wellen wiegen
und trösten ihn
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MORGEN AM DEICH 
10.1.20, 11:22
Geposted von Kerstin Seidel

MORGEN AM DEICH



Ein ganz heller Ton
rutscht von der Deichkante
bestreicht den Splitter
mit gelbem Honig
der lila Himmel
wickelt sein Windhemd
um die Baumwipfel
mit der Brille
sieht die Sonne herab
um die Ecke
fallen Fußspuren
in das ausgeschlafene Feld
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