Du Stehaufmännchen  
20.1.22, 05:49
Geposted von Kerstin Seidel

Du Stehaufmännchen



stehst im Dunkeln,
im fahlen Licht müde Marionette,
du hampelst, zappelst kleine Äuglein
funkeln, du körperlose Silhouette

Ein Zufall, Menschen, die im Dunkeln
munkeln, ob sie zu denken und zu
reden hätten?
Nicht fragen, nicht klagen, weiter
schunkeln! Habt Spaß und
dreht muntre Pirouetten!

Da verhallt ungehört die Hupe,
die Welt stürzt sich von der Klippe,
es stand ihr Schicksal eh
schon immer auf der Kippe!
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Du gießt dich 
19.1.22, 06:36
Geposted von Kerstin Seidel

Du gießt dich



in die fremde Form fügt sich
Flaches längst lebt das Licht
anderswo mit Aussicht auf
einen sonnigen Tag sorglos
steigt dort der Morgen hier
über den Zaun führen Zeilen
ins Haus vorhersehbare Sätze
wiederholen abgetretene Floskeln
und die glücklichen Fotos
schweigen von der Wand bröckelt
der Putz verbrauchte Luft
atmet Stille in deine Hände,
die nichts mehr halten können
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RIS(S)KANT 
30.12.21, 09:15
Geposted von Kerstin Seidel

RIS(S)KANT



Eine Welt entzwei gerissen
in Gut und Böse unterteilt,
Angst schürt Hass beißt
das Gewissen ist ein Impfstoff,
der nicht heilt

Führer suchen Argumente
gegen Mitleid fast immun,
Freunde werden uns nun
Fremde, schnelles Handeln,
blindes Tun

Abstand halten ist das Motto
zwischen Haus und Haus,
spielen wir Gesundheitslotto,
als ob Grenzen schützen,
Grenzen grenzen doch nur aus

Wie bleiben wir als Menschen
menschlich? Bestimmt die Panik
unser Sein? Das Leben ist so zart,
so endlich und keiner stirbt
für sich allein

Wir Alle sind in Allem, das lebt,
uns hier umgibt,
unzertrennlich ist der Mensch, der liebt!
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AM PLATZ  
19.12.21, 07:58
Geposted von Kerstin Seidel

MORGEN AM PLATZ



Das Fenster öffnen
mit einem Wimpernschlag
die Sonne über die Deichkrone
hängen Engel an unsichtbaren Fäden
zaust der Zugwind den Wellenkamm
in höchsten Tönen
lobt man die Ruhe vor Ort
untermalt vom Krähen
des regierenden Hahns
vor seinem Haus liegt
das Gewand aus gefallenen Blättern
regengeplättet



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Frei 
28.11.21, 08:30
Geposted von Kerstin Seidel

FREI



Du bist still und spürst
wenn das Denken aufhört
und das Hören beginnt
wenn das Hören aufhört
und das Sehen beginnt
wenn du deinen Schatten
wirfst und weißt er bleibt
hinter dir dann bist Du
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Halbe  
27.11.21, 20:29
Geposted von Kerstin Seidel

HALBE



Unsere Leben zeugen sich im Zwielicht,
koexistieren, mein Schon und dein Noch
mein Mehr und dein Weniger berühren Worte
ohne den Mund zu schließen atmen wir
den Mond zur Ruhe deiner Sonne
leuchtet heller als
die Summe aller meiner Sterne
aller meiner Nächte
nach dir nordet sich mein Herz
schlägt zur Hälfte in dir
zu jedem Zeitpunkt träumt die Hälfte
meiner Nervenzellen nur einhändig
nur einbeinig humpeln unsere Herzen
unter unseren Füßen schmelzen alle Mittelstreifen
es macht nichts denn wir humpeln fließend
gegen den Strom sind wir die Nachtzügler
im Restlicht lieben wir uns
mit den wachen Hälften unserer Hände
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Absicht 
20.11.21, 07:48
Geposted von Kerstin Seidel

ABSICHT



Sie haben keinen Schatten,
marschieren in fremden Spuren in
Eiseskälte und wiederholen
sich selbst bis zum Ende
des Weges ist es noch weit,
dort der morgenweise Stern,
wer weiß wie lange er leuchtet
angesichts der getöteten Kinder
versteck dich in deiner Krippe
Unschuld wird gejagt von diesen
verbundenen Augen ausgeschlossen,
dass wir je wieder leben können
als wäre unser Leben ein Zufall
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Elbe  
20.11.21, 07:47
Geposted von Kerstin Seidel

ELBE



Wolkenverhangener Himmel
am Ufer wölben Äste
über dem Wasser,
die langen Finger gestreckt
greifen weit hinaus und halten
den Fluss in seinem Bett
liegt das Licht hinter dem Horizont
nicht glatt, sondern fein gefaltet
unter betenden Händen
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Abend am Platz  
19.11.21, 10:20
Geposted von Kerstin Seidel

ABEND AM PLATZ


Zwischen Haus und Strand
steht die Stunde in kleidsamem Rot
fällt das Licht in die Straße
ein paar Schritte zwischen Haus
und Haus,
bevor der Abstand sich hält
werden die Bilder langsamer
durch die Luft
geht ein erträgliches Summen
leises Abklingen der Arbeit,
keine Glocke läutet
für die Flugmanöver der Möwen,
die letzte Runde der Hundebesitzer,
das bisschen Tag,
das noch in Zäunen hängt, wie
der Trugschluss
einer geschlossenen Tür,
vor dem das Licht bloß
Schatten findet und
hinter den Fenstern: Fernseh-
Flimmern der blauen Leitsterne,
braune Einbauküchen und
ich kehre zurück
vor Sendeschluss
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KONJUNKTIV  
5.11.21, 06:47
Geposted von Kerstin Seidel

KONJUNKTIV



Wenn ich wollte,
könnte ich lauthals singen
könnte Steine zum Tanzen bringen

wenn ich wollte,
könnte ich Gipfel stürmen
könnte Wolken zu Bergen türmen

wenn ich wollte,
könnte ich Blinde heilen
könnte Meere zur Mitte teilen

wenn ich wollte,
könnt ich nicht mehr können
meinem Wollen, Ruhe gönnen
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