KONJUNKTIV  
5.11.21, 06:47
Geposted von Kerstin Seidel

KONJUNKTIV



Wenn ich wollte,
könnte ich lauthals singen
könnte Steine zum Tanzen bringen

wenn ich wollte,
könnte ich Gipfel stürmen
könnte Wolken zu Bergen türmen

wenn ich wollte,
könnte ich Blinde heilen
könnte Meere zur Mitte teilen

wenn ich wollte,
könnt ich nicht mehr können
meinem Wollen, Ruhe gönnen
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Vorher  
24.10.21, 10:59
Geposted von Kerstin Seidel

VORHER



Eine Ahnung von Winter
im Rücken die Herbstsonne,
bernsteinfarbene Bilder,
die Bäume blättern Gold, wir könnten
Himmelskörper werden noch
sind wir nicht sichtbar,
bestäuben Träume,
ein Bienenpaar
mit buntem Pulver im Pelz
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Wirkliche Wärme  
17.10.21, 09:24
Geposted von Kerstin Seidel
Für Kurt:

Wirkliche Wärme



Deine Worte bewohnen
mein Herz hell
im Licht der Laternen wirft
deine warme Haut
weiche Schatten,
nach Feierabend
wartet mein Mund
trägt dein Lächeln süße
Früchte auf dem Tisch
stehen Astern duften golden
gleiten die Bilder am Fenster
vorbei ziehen die Jogger
über dem Deich verfängt sich
der Wind in den Bäumen
haust Herbst
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Morgenluft  
16.10.21, 08:11
Geposted von Kerstin Seidel

MORGENLUFT



Sie sitzt im Laub
ihrer Träume bedeckt
mit Moos und schaukelt
ohne Betreff ist sie nur
schön wie ein Baum
Blätter außer Dienst fallen
mit freundlichen Farben
sieht sie: Mein und Dein
ist ein Netz aus Federn
es verfliegt die Schwere
in der Brust, die Stahlrüstung
bespannt sie mit Luftfäden
jetzt ist nichts mehr da,
zerfallen wie Distelköpfe
am Wegesrand wittern
gegerbte Gedanken
Morgenluft
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Spurlos  
2.10.21, 10:45
Geposted von Kerstin Seidel

SPURLOS



Endlich stoppen die Stunden
und es hört auf Erde zu regnen,
wir besorgen Brot und Wein
und feiern den Abend
ein kleines Fest unter
dem Halbrund des Mondes
müde vom Gehen in
zu großen Schuhen steht
der Fuß in der Tür und wir
sehen hinein was draußen bleibt
sind die Fußstapfen, zertretene
Blätter, unsere Haltestellen
verschwinden im Rasen
legen Apfelbäume
Sternbilder aus Fallobst
mit erloschenen Sorten,
die noch leuchten
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Im Laubregen 
24.9.21, 19:05
Geposted von Kerstin Seidel

Im Laubregen



tanzen und die Wolken an der Schnur ziehen,
um hinter die Sonne zu kommen,
ein Vorschuss an Licht hier
und dort habe ich es schon
angekündigt als verlockendes Angebot an jemanden,
der zum Schlafen die Uhr auszieht,
aber die Zeiger leuchten weiter
im Dunklen habe ich den Traum verstaut
in einem anderen Tag
bin ich der erste Mensch und
ich erfinde Geräusche, ich gehe zurück
in die erste Zeile und ändere
die Worte vom Küchenfenster aus
werfe ich einen Schatten auf die Wand
hat Ohren und belauscht
den Schlaf nichts geht mehr
Haarrissen gleich, feine Fissuren im Flurfenster
während die Gedanken stillstehen,
ein Spiegel der Zeilen,
müde vom Erzählen des Regens
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Mein Wort  
12.9.21, 08:50
Geposted von Kerstin Seidel

Mein Wort



will ins Licht,
dieses gierige Tier
liegt und lauert
bis die Innenwelt
sich entblößt wuchern
Wahrheiten in Gedanken,
leichte Geburten des Kopfes
in die Welt, rar geworden
sind die Orte,
an denen sich das Wort problemlos
an seine Abstammung erinnert
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Geduld  
4.9.21, 10:02
Geposted von Kerstin Seidel

GEDULD



Gib dir die Zeit und Unerschrockenheit:
Geduld und Tat in gleichem Maße
und Licht und Dunkel,
nur was Schatten wirft,
bleibt Kontur, bleibt Körper übend
den Schein und Schweigen, nicht
weitersagen, was du siehst ist
dein Bild von Welt und Wir finden uns
gestärkt, lebendig nur
was sich öffnet,
blüht
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Afghanistan  
22.8.21, 17:04
Geposted von Kerstin Seidel

AFGHANISTAN



Zerstückelung von Wir
in Du‘s und Ich‘s,

gottlose Hälften
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Manchmal  
22.8.21, 15:47
Geposted von Kerstin Seidel

Manchmal



gelingt es mir
mich zu verwandeln
in die Wärme,
die auf der Holzwand liegt,
in das grüne Licht,
das im Wasser schwebt,
in das leise Summen des Sommers,
aber wie kann ich dich
mitnehmen dorthin
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