ABEND AM DEICH 
29.10.18, 19:19
Geposted von Kerstin Seidel

ABEND AM DEICH



Am Abend hören wir das Gras
wachsen am Deich
rauscht Rot in den Himmel
wir lauschen den Laternen
scheinen zufrieden
im Dunkeln regnet es nie
geht die Sonne zu früh auf
über dem Wasser trauert
eine Weide ihr Grün
pflanzt sich fort auf der Stelle
kein Grund weiter zu wuchern

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AUF REISEN 
29.10.18, 19:15
Geposted von Kerstin Seidel

AUF REISEN



Der Sommer
bricht seine Zelte ab
und breitet eine Decke aus Dunst
über dem Deich neigt sich
die Abendsonne
breitet roten Schein
über goldne Felder
das Abendrot tönt den Tag
und Nacht webt sich in Zeit und
Raum ein Muster des Menschen
echt und Insich ein Wunder
bin ich bei dir und
du bei mir, breite deine Arme aus
bitte, nimm mich mit
in deinen Traum

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HERBST AM DEICH 
29.10.18, 19:09
Geposted von Kerstin Seidel

HERBST AM DEICH



Wolken wirbeln Vogelschwärme
in die Luft wird kühler der Wind
wiehert über Wiesen ziehen Gänse
gen Süden in letzten Sonnenstrahlen
spielen Spinnen ihre todbringende
Taktik die Opfer im Visier,
die Zielscheibe
filigrane Fadenkunst ich hole Luft
beim Ausatmen wirbeln
weiße Wölkchen im Wald fallen bald
Blätter den Bäumen zu Füßen und
talwärts strömt der Fluss
hinter dem Deich duftet Kaffee
und Kunst wirft ihre Farben voraus
stoppelt das Feld in braun und
brach liegen die Nerven unter
dem täglichen Tuckern der Traktoren
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GLÃœCK 
29.10.18, 19:05
Geposted von Kerstin Seidel

GLÃœCK


Wir tauchen unter,
schwimmen im Glück während
unsere Augen am Himmel
saugen im Herzschlag einer Sprache
ohne besitzanzeigende Fürwörter:
Horizont, Heimat, Wir
schlagen Luftwurzeln im Licht
der aufgehenden Sonne
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SONNTAG 
29.10.18, 19:03
Geposted von Kerstin Seidel

SONNTAG



Wir fliegen federleicht trotz
Anatomie und schwereren Knochen
ahnen wir den Punkt an dem
die Zypresse vor dem Haus
den Himmel zentriert,
was sind da schon Schwalben
mehr als zwitschernde Zaungäste
einen Sonntag lang am Deich
wo der Wind den unruhigen Weizen
über die Felder weht ist es Tag
aber ich behalte die Nacht innig -
werde nie mehr vergessen das Jetzt
den Klang aus hörbarem Himmel
hoch das Rauschen der Bäume
ich träume, dass wir
das Wispern der Wiese sind

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HERBSTBALD 
29.10.18, 19:01
Geposted von Kerstin Seidel

HERBSTBALD



Dein Fleisch gehörte
den Wespen wie viele Wochen
sah ich dich saftig,
Apfel und später Fallobst
im ewigen Ferientag: August-
ende eines großen Sommers:
September, es hörte nicht auf
die Sonne siebte Staub aus der Stadt
steigen nun Nebel :
Oktober neben alten Wäscheklammern
liegen Walnüsse in der Wiese
kriechen Igel in den fahlen Farn,
überschlafen das Jahr
und Farben fliehen
vor kommender Kühle

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ZU ZWEIT 
29.10.18, 18:59
Geposted von Kerstin Seidel

ZU ZWEIT



Wir hauchen den Dingen
Leben ein nehmen das
dann, auf die leichte Schulter
im Schweiß, den wir treiben
unter unsere Decke, schnell
und schneller für all die Jahre
nach uns die Sintflut am Deich
sammeln wir Wolken, Himmel
auf Erden, blühendes Blau im Fenster
fallen wir regelmäßig
aus dem Rahmen und ineinander
zu zweit

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LOSLASSEN 
29.10.18, 18:56
Geposted von Kerstin Seidel

LOSLASSEN



Gedämpftes Gestern
bis der Tag
sich aus dem Morgen schält
verhüllt, Nebel vor dem Deich
bedeckte Farben, wolkenstufen
Treppen zur Erde und höher
himmelwärts, grenzenlos
stützen den eigenen Horizont
erweitern bis zum wilden Flug
der Gänse, über Baumwipfel hinaus
in‘s Ungewisse bis der Körper
sich entsinnt
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ZUHAUSE 
29.10.18, 18:54
Geposted von Kerstin Seidel

ZUHAUSE



Deine Worte bewohnen
mein Herz hell
im Licht der Laternen wirft
deine warme Haut
weiche Schatten
nach Feierabend
wartet mein Raum
trägt dein Lächeln
Früchte auf dem Tisch
stehen Astern duften golden
gleiten die Bilder am Fenster
vorbei ziehen die Jogger
über dem Deich verfängt sich
der Wind in den Bäumen
haust Herbst
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KÖRPER 
29.10.18, 18:52
Geposted von Kerstin Seidel

KÖRPER



Körper, du Hülle
du Haus für Herz
und Haut und Haar
was tust du nachts

Wenn du schläfst,
wie wohne ich dann
mit dir unter einer Decke
liege ich still im Denken

Ist Dasein ohne Dach
oder Tür und mein Auge
ist das Wasser ohne Wind
und eine Wolke als Kleid

Weiß, weiche Heimat
die Haut nah am Himmel
meine Stimme die Sterne
wo ich ruhe in dir

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