GESTRANDET 
4.9.18, 12:01
Geposted von Kerstin Seidel

GESTRANDET



Lippen auf Lippen verlagert
zwischen zwei Zungen
Ufer
tief unter der Haut
am Nervenende
Kitzel
feuchte Wiesen
in der Mundhöhle
Süße
tief in der Leibesmitte
Liebe
arterielle Kreuzlinien
Herzschlag
Ein- und Ausgang
Blut
am Ende
Ufer
in deinen Augen
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JUNG 
4.9.18, 11:59
Geposted von Kerstin Seidel

JUNG



Dein Gesang aus Ebenen
oder von Geraden her
nun sind wir bis hierher gekommen
und weiter geht es
wir gehen durch die Städte
fern oft von Traum und Überlieferung
als wenn ich und du kein
Herkunftsland hätten
manchmal scheint Licht in uns auf
und macht uns jung

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ATEMLOS 
4.9.18, 11:58
Geposted von Kerstin Seidel

ATEMLOS



Ich am Ufer Muscheln suchend
höre das Meer rauschen
sehnt mich, sucht dich
in jeder Welle, die das Ufer bricht
ruft es Sterne und Engel herbei
aber du bist fortgespült, tangbedeckt
sandbenetzt,
währenddessen, bin ich hier,
jetzt verschlingt die Flut
meinen Atem

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LETZTE SOMMERTAGE 
23.8.18, 21:07
Geposted von Kerstin Seidel

LETZTE SOMMERTAGE



Der Wind schärft die Umrisse
der Verliebten, die ihre Kleider
ablegen am Ufer des Flusses
suchen Wasservögel Schutz im Ried
und die Blütenblätter baden im Dunkeln bleibt die Zeit stehen
im Rufen der Wildgänse wartet der Herbst auf ein Haus mit Boot
und Steg mit Spinnweben
und silbernen Straßen verborgen
im Tal, wo die Schatten länger werden

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ZUHAUSE 
19.8.18, 12:46
Geposted von Kerstin Seidel
Für Kurt:

ZUHAUSE



Es ist ein Ankommen
nach weiter Reise
irgendwie leise ein Wissen,
das möcht ich nie mehr missen
in meinem Leben ist es das,
was bleibt, was sich reibt
zur Wärme drängt einander
kennt, jede Pore, jede Stelle,
jede Flut aus jeder Welle und
dennoch Ufer ist und Fels und
trotzdem Haut uns gibt und Pelz
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INMITTEN 
19.8.18, 12:31
Geposted von Kerstin Seidel

INMITTEN


Wie wir zwei umkreisen
mit Kreide das Grün der Gärten
dies Paradies ist unser
zuhause inmitten der Stadt
ertastend den Fluss dessen Atem
noch sonnig und süß wie wir
naschen an stiller Fassade
selbst bloß Silhouetten
bebildert mit Freude und Farben
die leuchten hinüber zur Straße
dahinter der Deich, das Dunkel
des Dickichts, das uns tarnt
vor Laternen, denn wir eilen
zu zweit im Schein
uns voraus

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IN UNS 
19.8.18, 12:28
Geposted von Kerstin Seidel

IN UNS



Die Nacht ist neu und jede
Farbe schweigt,
still Herz, schlag nicht
bis der Morgen steigt
ein Flimmern dort
als woge da ein See
sacht wehen Düfte
wie ein fernes Weh.
Ich will uns bergen
dass uns nichts verrät
dass nur der Mond
in unserem Fenster steht
dass nur der Regen
an unserer Tür zerrinnt
und wir in uns
ganz sicher sind.

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AM ABEND 
19.8.18, 12:25
Geposted von Kerstin Seidel

AM ABEND



liegen die Wolken übereinander
geschichtet wie Schiefer
vom endlos schweifenden
Horizont kann ich mich lösen
lautlos über hellen Himmel
tippeln und zeitverrutscht
den anderen Rand erreichen,
schwarzgerafft schimmert
das Ufer wie schön der Fluss
bleibt wo er ist und lauscht,
entschwundene Stimmen
rufen die Nacht nach Hause

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PLASTIK 
19.8.18, 12:22
Geposted von Kerstin Seidel

PLASTIK



komm zu mir
wenn meine Träume
Terpentin trinken,
wenn mein Wein
wie Wasser schmeckt,
wenn ich glaube
ich sei ein Zug
der zu entgleisen
droht
mein Utopia
von Untotem lebt
auf dem Rücken liegt
sich ergibt und
weint vor Verzweiflung,
wenn meine Sprache
vom Handy geboren wird
und Siri meine Worte weiß,
komm zu mir
du bist doch schon
mein Bildschirmbild und so schön
bunt

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RÜCKENWIND 
19.8.18, 12:01
Geposted von Kerstin Seidel

RÜCKENWIND



Wir hatten Tempo-
Taschentücher und feste Schuhe und
den längeren Atem, zum Rauchen
gab es Gras und Gauloises -
sagt mal ihr kennt doch noch das Bild
das Andere? Wir hatten Autonomie und Auftrieb, Launen so viel hatten wir, dass wir es aufgaben zu zählen
geschätzte hunderttausend Hundetapser zum Strandbad am
Baggersee erinnerte nackte Schöne
kamen uns entgegen im Tagebuch
unsere Wünsche waren grenzenlos,
denn gerade passierte Rückenwind
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