ECHO 
27.7.19, 12:40
Geposted von Kerstin Seidel

ECHO


Des Kornes Duft reift,
streift Rauch vom Feuer,
Versprechen auf Brot und Wärme,
verbrenndes Gehölz diese Glut
trägt Geheimnisse wie ein Freund
in die Nacht sternenvoll, blasig
blähen die Himmel sich bis
hart ans flimmernde Zerplatzen
saugt hungrige Finsternis
an der Erde ruht meine Stirn
und meine Stimme sei ihr Echo
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UNIFORM 
27.7.19, 12:38
Geposted von Kerstin Seidel

UNIFORM



Das sitzt wie
eine zweite Haut,
eine Uniform, gestärkt,
frisch gewaschen und
nachts an den Schrank gehängt
überm Bügel glatt gestrichen leer
die Taschen, tadellos der Schnitt
passt hauteng mit Platz für nichts
drunter außer Knochen fest
um den Hals der Kragen weiß
geschminkt und weggelächelt
das Gesicht
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ÜBER NACHT 
27.7.19, 12:36
Geposted von Kerstin Seidel

ÜBER NACHT



friert das Lachen
der Kinder junge Katzen
ersaufen im Schlaf
vergessen schlingert
die Wäsche auf der Leine
im Sommerwind spielt
Stumpfsinn, Axt, leerer Zwinger
im Zimmer sind alle wach
und wir legen unsere Lippen
auf den Rhabarber flüstern
bleib stehen, blödes Herz

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DER ZEIT RAUM GEBEN 
30.6.19, 11:10
Geposted von Kerstin Seidel

DER ZEIT RAUM GEBEN



Da ist er wieder der Wille
alles zu sagen, alles
zu tun wir lieben es
leicht ein Blätterhimmel
kühlt unsere Körper
noch wund von den Splittern
des Krieges, ja dieser Lärm
ist da und die Bilder
von den Menschen abgefallen
im Traum seh ich Sie
aufgehoben, leerleicht
kreisend über Lustgärten,
über Straßen nicht endend
der Sommer immer noch
dieses Begehren wir warten
noch wir sterben noch
einmal schrie der brandrote
Himmel über die Steine,
dass die Seele heilt
lebenslang

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MEIN MUT 
30.6.19, 11:07
Geposted von Kerstin Seidel

MEIN MUT



Bleib ich stumm durch ihre Worte
oder spreche ich es aus
bin ich feig und müd geworden
oder zieht es mich hinaus

Ist mein Fell mir dick gewachsen
oder trifft mich noch ein Zorn
taumle ich in meinen Grenzen
oder strebe ich nach vorn

Werde ich mich nun beschneiden
oder unzufrieden sein
forme ich nur hohle Worte
oder werf ich einen Stein

Reicht mir dieser kleine Frieden
und diese ausgestreckte Hand
oder seh ich nach dem Essen
über meinen Tellerrand

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DEICHMORGEN 
30.6.19, 11:05
Geposted von Kerstin Seidel

DEICHMORGEN



Der Frühling kommt in Farben
die Wiesen wandern aus
im Blau blühen
Tauhalme fließen
verflochtenes Glitzern
im schwer schwebenden Laub
Fäden flechten
Fliegenstreit ein
Traumvogel flüchtet
ins Uferlos
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WANDEL 
30.6.19, 11:03
Geposted von Kerstin Seidel

Für Kurt:
WANDEL


Liebster,
wir haben aufgetaut
den kühlen Leib
streif ab die
Winterhaut,
halte mich und bleib
in Dir tief, wir
treiben still,
traumlos Haut an Haut
ich will
dich nah
bis die Morgenvögel
rufen laut
nichts bleibt,
was war
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LEBEN 
30.6.19, 11:00
Geposted von Kerstin Seidel

LEBEN



Ja, ich bin ein Stück graubrauner Erde
an mir hängt der ganze Planet
bin grasbewachsen, baumbestanden
und metertief wurzeln die Wälder
der Wind überstreicht meine rissige Haut und versucht sich an ihr zu glätten
den Geruch der Erde aber trägt er
von Frühling zu Frühling so rücke ich mich ins Licht
solange die Jahreszeiten wandern
will ich lebendig sein
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ZUSAMMEN 
30.6.19, 10:58
Geposted von Kerstin Seidel

Für Kurt:
ZUSAMMEN


Unsere Körper
ein Leib bis zur Hälfte
ein Stück vor Zeiten
zusammen gewachsen,
zwei Seiten, eine Richtung,
ein Zwilling der seltenen
Art, erst über der Mitte
leben die Leiber verbunden
durch Liebe es ändert sich
nichts: Zuneigen oder abwenden
wir bleiben zur Hälfte
ein Stück, zur anderen
zwei: abneigen und zuwenden
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MORGEN AM DEICH 
30.6.19, 10:56
Geposted von Kerstin Seidel

MORGEN AM DEICH



Ein ganz heller Ton
rutscht von den Baumspitzen
bestreicht den Splitter
mit gelbem Honig
der blaue Himmel
wickelt sein Windhemd
um den weißen Kirchturm
mit der Brille
sieht die Sonne herab
um die Ecke
fallen Fußspuren
in die ausgeschlafene Wiese
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