DER ZEIT RAUM GEBEN 
30.6.19, 11:10
Geposted von Kerstin Seidel

DER ZEIT RAUM GEBEN



Da ist er wieder der Wille
alles zu sagen, alles
zu tun wir lieben es
leicht ein Blätterhimmel
kühlt unsere Körper
noch wund von den Splittern
des Krieges, ja dieser Lärm
ist da und die Bilder
von den Menschen abgefallen
im Traum seh ich Sie
aufgehoben, leerleicht
kreisend über Lustgärten,
über Straßen nicht endend
der Sommer immer noch
dieses Begehren wir warten
noch wir sterben noch
einmal schrie der brandrote
Himmel über die Steine,
dass die Seele heilt
lebenslang

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MEIN MUT 
30.6.19, 11:07
Geposted von Kerstin Seidel

MEIN MUT



Bleib ich stumm durch ihre Worte
oder spreche ich es aus
bin ich feig und müd geworden
oder zieht es mich hinaus

Ist mein Fell mir dick gewachsen
oder trifft mich noch ein Zorn
taumle ich in meinen Grenzen
oder strebe ich nach vorn

Werde ich mich nun beschneiden
oder unzufrieden sein
forme ich nur hohle Worte
oder werf ich einen Stein

Reicht mir dieser kleine Frieden
und diese ausgestreckte Hand
oder seh ich nach dem Essen
über meinen Tellerrand

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DEICHMORGEN 
30.6.19, 11:05
Geposted von Kerstin Seidel

DEICHMORGEN



Der Frühling kommt in Farben
die Wiesen wandern aus
im Blau blühen
Tauhalme fließen
verflochtenes Glitzern
im schwer schwebenden Laub
Fäden flechten
Fliegenstreit ein
Traumvogel flüchtet
ins Uferlos
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WANDEL 
30.6.19, 11:03
Geposted von Kerstin Seidel

Für Kurt:
WANDEL


Liebster,
wir haben aufgetaut
den kühlen Leib
streif ab die
Winterhaut,
halte mich und bleib
in Dir tief, wir
treiben still,
traumlos Haut an Haut
ich will
dich nah
bis die Morgenvögel
rufen laut
nichts bleibt,
was war
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LEBEN 
30.6.19, 11:00
Geposted von Kerstin Seidel

LEBEN



Ja, ich bin ein Stück graubrauner Erde
an mir hängt der ganze Planet
bin grasbewachsen, baumbestanden
und metertief wurzeln die Wälder
der Wind überstreicht meine rissige Haut und versucht sich an ihr zu glätten
den Geruch der Erde aber trägt er
von Frühling zu Frühling so rücke ich mich ins Licht
solange die Jahreszeiten wandern
will ich lebendig sein
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ZUSAMMEN 
30.6.19, 10:58
Geposted von Kerstin Seidel

Für Kurt:
ZUSAMMEN


Unsere Körper
ein Leib bis zur Hälfte
ein Stück vor Zeiten
zusammen gewachsen,
zwei Seiten, eine Richtung,
ein Zwilling der seltenen
Art, erst über der Mitte
leben die Leiber verbunden
durch Liebe es ändert sich
nichts: Zuneigen oder abwenden
wir bleiben zur Hälfte
ein Stück, zur anderen
zwei: abneigen und zuwenden
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MORGEN AM DEICH 
30.6.19, 10:56
Geposted von Kerstin Seidel

MORGEN AM DEICH



Ein ganz heller Ton
rutscht von den Baumspitzen
bestreicht den Splitter
mit gelbem Honig
der blaue Himmel
wickelt sein Windhemd
um den weißen Kirchturm
mit der Brille
sieht die Sonne herab
um die Ecke
fallen Fußspuren
in die ausgeschlafene Wiese
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FEINFÜHLIG 
30.6.19, 10:54
Geposted von Kerstin Seidel

FEINFÜHLIG



Es gibt Brot an diesem Tisch,
um diesen Tisch sitzen Freunde,
sie sprechen in der Farbensprache,
singen sinnliche Lieder, gehen fremd.
Angst nutzen sie als Trampolin,
ihr Augenschein ist Ohrenschein -
Nacht für Nacht hören sie das Gewicht
der alten Meister und ihrer vielen Melodien.
Ihre Hände waren voll und sind
jetzt leer gefegt: Kehraus!
Die traurigen Träumer
halten ihren Schmerz für zu klein,
kläglichen Kram, fast blind, verrieben
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AUFWÄRTS 
30.6.19, 10:51
Geposted von Kerstin Seidel

AUFWÄRTS



Ich öffne die Tür und höre
Wolken wachsen und
Nebel aus der Wiese,
der aufsteigt wie ein Geist
aus frischgemähtem Gras
neben dem Geräteschuppen
der Weg führt zum Fluss
vorbei an der alten Mühle,
an meinen Händen klebt Mehl,
Mondstaub vom Himmel
sinkt die Dämmerung,
die aufsteigt aus dem Wasser
bis ich weiß ob ich
Spiegelbild bin oder Original
halte ich den Kurs
Richtung Sterne
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BLAU 
30.6.19, 10:49
Geposted von Kerstin Seidel

FÜR KURT: BLAU


Er trägt auf und strichelt,
schwingt über die Leinwand
beidhändig, breitspurig -
überdeckt und macht sichtbar,
versteht, verdichtet, verknüpft,
kratzt das Leben in die Leinwand
das Gefühl einer Landschaft
entdeckt, träufelt, trippelt,
bis es schnurrt und fliegt,
wirbelt und kreist,
vibriert und strudelt,
die Farben sind Zeichen
und fügen sich zu Wörtern:
Sie lässt sie klingen, dröhnen,
bis alle Vaterworte verstummen,
bis Sie sich spürt und Nichts mehr
liebt als das Malen und hört
und trinkt und gibt dem Blau
das Wasser, den Himmel
und sich selbst
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