STILLSTAND 
12.3.17, 07:33
Geposted von Kerstin Seidel

STILLSTAND



Es blieb nichts als zu warten
als Möglichkeit und deine Macht
war es mich warten zu lassen
in der Vorhalle würden die Jahre kommen
und gehen die Stunden verstreichen
nie würden wir wieder gemeinsam gehen
geschützt Arm in Arm unter den Platanen
und viele, die es gerne wollten
können nicht aufhören, aber wir
würden nichts mehr beginnen

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FREMDE 
10.3.17, 18:02
Geposted von Kerstin Seidel

FREMDE



Manches enthüllt
seine Gestalt erst im Moment
des Abschiedes verletztes Fleisch wie
befürchtet das Schlimmste bleibt
und nichts weiter
ist am Ende unentschieden
vom Mund in die Hand gelebt
lies nach, was du mir nicht geglaubt hast,
überzeuge dich von meinem Wort
nur das will ich dich immer noch fragen:

Hast du mich wirklich
nie gekannt?

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Ein Schrei über mir 
10.3.17, 15:39
Geposted von Kerstin Seidel

Ein Schrei über mir,



Wildgänse
lange nicht mehr gehört wie weit
oben sie ziehen
nach Süden in Formation
eine Phalanx aus Federn und ich
folge ihren unsichtbaren Wegen
sie markieren Parallelen,
die Gefühle beschränken
auf das Wesentliche
einer mir unbekannten Ordnung,
einer Route zwischen Horizonten,
die ich noch nicht kenne -
ich folge ihrem Blick hinunter
auf Menschen und Felder:
platt getretene Lebewesen
in braun-grünem Teppich,
sie ziehen und ihre Flügel schlagen
Rost von meinem Herzen
schon gehe ich viel leichter

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VERLOREN 
5.3.17, 19:05
Geposted von Kerstin Seidel

VERLOREN



sind die sich
nach Frieden sehnen
und mit sich selbst
im Krieg liegen,
die von Liebe reden
und sich selbst hassen

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EINSICHT 
5.3.17, 09:58
Geposted von Kerstin Seidel

EINSICHT



heute kam ein Wind
weich wie Windeln
stark wie ein Schmerz
wickelte mich in
schwarze Erde und
schaute mich
von innen an


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ANNÄHERUNG 
5.3.17, 07:39
Geposted von Kerstin Seidel

ANNÄHERUNG



Die Buchen noch nicht belaubt,
die Spatzenzäune noch
ohne Geschwätz,
die Nester noch nicht gebaut:
Zeit,
die Zeltpflöcke zu verankern,
die Beete zu bestellen,
der Sonne eine Chance zu geben,
was ich festhielt zu zerstreuen,
meine Maske, das Lächeln
und das Schweigen dahinter,
Zeit, von der Barrikade zu springen,
neue Wege anzulegen,
Zeit, einzutreten, nicht weit
nur einen Schritt näher

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TEATIME 
26.2.17, 18:51
Geposted von Kerstin Seidel

TEATIME



Ja, ich mime mit heller Stimme
Munterkeit wir kommen sofort
ins Plaudern, schön, dass
es mir gut geht, dass ich gut klinge,
dass ich mich freue über euren Besuch,
dass ihr kommt, dass ihr bleibt, setzt
euch doch, es gibt Tee und Trara
diese Stimme, die in meinem Kopf
wohnt will euch begrüßen, beruhigen
keine Angst alles ist still,
störungsfrei nur die Augen
und Ohren offen halten und besser
die Hand vor den Mund beim Reden
ansteckend diese Heiterkeit
summendes Stimmchen kopflos kocht
das Wasser schon?

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Überbleibsel! 
26.2.17, 18:10
Geposted von Kerstin Seidel

Überbleibsel!



Ich narre euch nicht, es waren
zwei Menschen experimentierten,
zwei Planeten kollidierten und
versuchten ineinander zu existieren
aber ausgesprochen autark,
stark kräftezehrend das Verschmelzen
ein Versuch in Hitzeabstufungen
epochale Schichtenbildung, Tertiär
sehr schnell gestiegen ins All -
Knall auf Fall erkaltet blieb
so eine Art schwarzes Loch

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Maßgechneidert ! 
25.2.17, 07:08
Geposted von Kerstin Seidel

Maßgeschneidert!



Gib mir eine zweite Haut
nimm Maß am Menschlichen,
Weißseher mach ein Schnitt-
Muster schnippschnap zurecht
diesen schwarzen Stoff näh
am Boden liegt der rote Faden

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ERWACHSEN 
22.2.17, 07:06
Geposted von Kerstin Seidel

ERWACHSEN



Wir jedenfalls
haben nichts mehr
zu verlieren, alles weg:
das Gefühl, das Hoffen
von innen hohl tönend
Glockengeläut, Kreuzweg
am Ende angekommen
leere Fratze, lächeln so
als ob der Himmel aufreißt,
Rollenspiele statt Realität - Liebe,
Wunschdenken, aus dem Alter
sind wir schließlich raus

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