FREI 
19.2.18, 18:04
Geposted von Kerstin Seidel

FREI



Mit gebrochenen Stimmen
beschwören sie gutartige Wörter
bereit, stets bereit erst am Abend
kehren Sie heim in winzige Winkel
ihrer Herzen öffnen die Tür
zur Puppenstube warten, warten
auf Tapetenwechsel an der Wand
zittern die Bilder und fallen
endlich aus ihren Rahmen

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Der Gott der kleinen Dinge 
19.2.18, 18:00
Geposted von Kerstin Seidel

Der Gott der kleinen Dinge!



Die Zeit des Versuchens ist vorbei
jetzt beten wir
zu uns selbst um Gnade
im kleinen Kreis
ziehen wir Schlüsse,
kleben das Anfänger-A
auf unsere Stirn und reden
in eigener Sache,
wer hat in meiner Haut gelebt
und fordert Vergebung ?
Keine großen Reden wollen wir
sondern kleine Taten, die bleiben

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Wintersonntag 
19.2.18, 17:51
Geposted von Kerstin Seidel

WINTERSONNTAG



Auf der Fensterbank
schminken Orchideen sich
die Blüten ab und suchen das Ende
des Winters ist in Sicht vergilbt
hinter Glas glitzert Schnee
endlos ziehen kahle Bäume
aus dem schwankenden Wald
über den Deich und drohen
mit Knopsen, die suchen
das Ende der Warteschlange
in jedem Zimmer hängen
unsere Bilder bunt ohne Rahmen
wie Blumen in Vasen duftend in
das Hemd auf dem Wäscheständer
wächst du hinein überkopf
mit erhobenen Händen
kämmt der Regen
dem Himmel die Flausen
aus dem Kopf, aber unser
Haus hält dicht

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Mein grünes Kleid 
19.2.18, 17:49
Geposted von Kerstin Seidel

Mein grünes Kleid



aus dem Abend
ziehen auf die Nebel,
die über dem Deich schweben
das Licht löst
bis ins Mark die Wahrheit,
was mir Glaube nicht setzt aber
mein grünes Kleid
das Sprünge im Spiegel glatt reibt
sich an meine Haut schmiegt
und zahm grün meint
wenn es grün weiß

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FRAGIL 
19.2.18, 17:46
Geposted von Kerstin Seidel

FRAGIL


Die unsichtbaren Linien mäandern
im Kopf, der versinkt
in Gedanken schlagen Schneisen
- gegen, - zueinander geschuppte Verläufe
weben Wunden in Hauttönen
zum Stumpf amputiert das Auge tastet
über die Ränder fühle die Tränen
wie zerbrechlich der Glaskörper

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VERSINKEN 
19.2.18, 17:44
Geposted von Kerstin Seidel

VERSINKEN



Wir scheuern unsere Herzen wund
an rauher Rinde und schütten Bier
und Cola in unsre Köpfe, bauen Nester
uns in Nischen nackter Beine
spielen Free Jazz unterm Rock und warnen
vor Verehrung bis wir mit wirrem Wissen
und halb enthüllt unsere Schreie werfen
in den angeschmutzten Fluss und ganz
in ihm versinken, ganz in ihm versinken

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STILL 
19.2.18, 17:42
Geposted von Kerstin Seidel

STILL



Pssst! Still drinnen alle Stimmen
sei meine Wallnussschale auf dem Meer
treiben wir fort
in warme Wasser wiegen mich
als Venuswelle weicher Körper
die Nacht verlangt nach mehr,
nach Einlass in die harte Schale, psst
mach die Stimmen drinnen still
such mich, treib an mein Ufer,
denn es ist willenlos und dient
als Bett der Nacht deckt
Dunkelheit die Welt noch trunken
vom Wein der Wunder -
löschst du mir Falten aus der Stirn
und legst mein Herz in zarte Hülle

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REGENBLUES 
30.1.18, 19:27
Geposted von Kerstin Seidel

REGENBLUES



Verstellt ist die Sicht auf
nasses Pflaster dort leere
Dosen von Schulkindern
in Pfützen gekickt langsam
untergehen im Rauschen
der Stadt, ein Corpus
der symmetrisch schwingt
überzieht dein Ohr mit Samt
weich wie das Hohl deiner Hand
und doch bleibt da und dort
Rauhes, das nach Rundung ruft
durch den Regen sticht ein Licht
ins Dunkel, ein wirklich alter Stern
kristallisiert zwischen Zweigen,
wenn wir nur den Vorhang zerreißen
wenn wir nur tiefer blicken und weiter

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SONNTAGSSKIZZE 
30.1.18, 19:24
Geposted von Kerstin Seidel

SONNTAGSSKIZZE



Weiße Leinwand
und ein Pinsel
aus weichem Haar
hält meine Hand
ich vermesse
mit ausgestrecktem Blick
wie weit mein Auge Schritt hält
mit den Worten
die wiegen nichts
auf und ich zähle
sieben Berge und
Täler zwischen den Punkten
plötzlich ein Bild

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DER WINTER 
30.1.18, 19:22
Geposted von Kerstin Seidel

DER WINTER



hängt an nichts
als der Schar Flocken
in die Luft geworfen
und niedergesunken
auf die nächste Kurve
A25, verkrümmter Winkel
wo in den Spurrillen
schimmernde Sätze stehen aber
ich, was will ich singen hier?
Der Schnee schmiegt sich
mir um die Beine
öffnet sich, schließt sich
schmilzt schamlos
und das ist alles
genug

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